Deutsche Aktienwerte: Warum es um mehr als Autos geht

Im „Barings Conversations“ stellte sich Robert Smith, Direktor für Europäische Aktien bei Barings, einigen Fragen zm deutschen Aktienmarkt. Welche Rolle spielen die Aktien der Automobilriesen? Wo liegen die Stärken der deutschen Wirtschaft in Zeiten der Unsicherheit? Wir haben einige Punkte zusammengefasst.

In einem Unternehmensbeitrag äußert sich Robert Smith, Manager des German Growth Trust von Barings, ausführlich zum deutschen Aktienmarkt. Smith reflektiert die Chancen am deutschen Aktienmarkt im Angesicht des Handelskonflikts, der Brexit-Verhandlungen und der Situation bei den Autobauern. Wir haben einige zentrale Aspekte zusammengefasst.

Automobilwerte? Nein danke!

Die großen Automobilhersteller gelten als die Zugpferde des DAX. Das kommt nicht von ungefähr. BMW, Daimler und Volkswagen sind Schwergewichte der deutschen Wirtschaftskraft. Allerdings stehen sie gleich mehrfach unter Druck: Zum einen droht Ungemach von Übersee, weil Trump regelmäßig mit Strafzöllen gegen deutsche Autoimporte droht. Dann ist da noch der nicht enden wollende Abgasskandal, der mittlerweile die gesamte Automobilindustrie in Atem hält. Die Debatten über eine Verkehrswende, Fahrverbote für Dieselfahrzeuge und Konsequenzen für die Autobauer haben längst internationale Ausmaße erreicht. Das Fazit: Die Luft wird dünner.

Smith betont, dass die Probleme um den Abgasskandal dazu geführt hätten, die Beteiligungen am Automobilsektor drastisch zu senken. Seit 2018 verzichtet das Portfolio auf VW- und BMW-Anteile, und aufgrund von Bedenken bezüglich diverser Nachhaltigkeitskriterien wurden auch die Daimler-Anteile verkauft.

„Noch keine Kaufgelegenheit“

„Deutsche Automobilwerte sind unseres Erachtens noch keine Kaufgelegenheit, weil es weiterhin eine Reihe von Unbekannten gibt“, sagt Smith. Derzeit gäbe es im deutschen Automobilmarkt viele strukturelle Fragen, bei denen mehr Klarheit erforderlich ist, bevor man einen Kauf in Betracht ziehen sollte, betont der Fondsmanager.

Kleine Werte mit großen Potenzialen

Während Smith die Blue-Chips der deutschen Automobilindustrie kritisch betrachtet, scheint der Experte bei Small- und Middle-Cap-Beteiligungen in Deutschland deutlich zuversichtlicher.

Auf den Hinweis, dass gerade kleinere Werte meist in der ersten Jahreshälfte schwächeln, hat der Fondsmanager eine Erklärung zur Hand: „Kleinere Unternehmen werden in Deutschland typischerweise von den Inhabern geführt, die traditionell eine vorsichtigere Haltung haben. Diese Unternehmen versprechen oftmals zu wenig und liefern dann viel mehr, was dazu führen kann, dass zu Jahresbeginn eine Unterperformance vorliegt.“

Der German Growth investiert schwerpunktmäßig in Industriewerte und Informationstechnologie. Die Automobilindustrie, Immobilien und Energiewerte sind untergewichtet. Investiert wird zwar in Unternehmen jeder Marktkapitalisierung, doch Vorzug gibt das Fondsmanagement den Small- und Mid-Cap-Werten.

„Der deutsche Aktienmarkt bietet eine große Auswahl an Unternehmen, die in Sektoren tätig sind die sowohl kurz—als auch längerfristig von einem konjunkturellen und strukturellen Wachstum profitieren sollten“, sagt Smith.

Der Experte sieht die deutsche Wirtschaft vor allem in Bezug auf ihre „Hidden-Champions“ gut aufgestellt. Diese seien in ihren spezifischen Nischensektoren häufig globale Branchenführer, werden aber von den Analysten gern übersehen, bemerkt Smith.

Allgemeine Wirtschaftslage bleibt positiv

Mit Hinblick auf das Wachstum ist Smith für die nächsten Monate positiv gestimmt. Ein solides Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig stabilen Geschäftsklima im Inland sprechen nach seiner Meinung für ein starkes Gewinnwachstum deutscher Unternehmen.

Globales Wirtschaftswachstum und Kapazitätsengpässe können nach Meinung des Experten Impulse für Investitionen setzen, von denen vor allem die deutschen Maschinenbauer profitieren dürften.

Brexit und mögliche Auswirkungen für deutsche Wirtschaft

Welche Folgen der Brexit haben kann, bewertet Smith auf Basis der Frage, ob es zu einem „weichen“ oder einen „harten“ Brexit kommt. „Wenn eine Einigung erzielt wird, die in Europa den Warenaustausch ohne harte Grenzen erlaubt, wird es theoretisch überhaupt keine Änderungen geben, so dass der weiche Brexit nur begrenzte Auswirkungen hätte.“ Bei einem harten Brexit hänge alles davon ab, ob das Vereinigte Königreich anfängt, Zölle zu verhängen, um seinen eigenen Unternehmen vor Wettbewerb zu schützen, meint der Fondsmanager. Gegenwärtig scheinen die Vorzeichen auf Freihandel zu stehen.




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