Gute Gründe für Optimismus

„Die Ausgangslage für 2018 ist also solide.“ Das behauptet Philippe Waechter, Chief Economist, Natixis AM. Ein Kommentar zur aktuellen Debatte um die Aussichten an den Märkten.

Es gibt in dem vor uns liegenden Jahr einige Gründe zum Optimismus. Der Welthandel verzeichnet weiterhin einen Aufschwung, die Ölpreise bleiben im angemessenen Rahmen und die Wirtschaftsexperten weltweit sehen mit Zuversicht in die Zukunft. Die Ausgangslage für 2018 ist also solide.

Das Wachstum, zusammen mit dem daraus erwachsenden Arbeitsmarkt, wird allen Bürgern die Möglichkeit geben, in einer komplexen und schwierigen Welt erneut Fuß zu fassen. Die politischen Entscheidungsträger sind für die Umsetzung der richtigen Reformen verantwortlich, um optimale Voraussetzungen für eine wirtschaftliche Erholung zu schaffen, in der mehr Arbeitsplätze entstehen und sich damit die Unsicherheit für jedes einzelne Mitglied der Gesellschaft verringert. In dieser Hinsicht setzt Frankreich große Hoffnungen in die Reformen, über die 2018 debattiert wird: Die Reform der Berufsausbildung und der beruflichen Qualifikationen bilden den Kern des Handlungsplans der französischen Regierung und die von den Behörden in diesem Bereich umgesetzten Konzepte bilden das wichtigste Gegenstück zu den arbeitsrechtlichen Verordnungen, um den Arbeitsmarkt effizienter zu gestalten.

Doch genau jetzt fangen die Probleme an, eben weil die Dinge gut laufen. Die Weltwirtschaft geht in die Nachkrisenzeit, mit einem robusten Wachstum im zweiten Jahr in Folge. Genau wegen des starken Wachstums ist jetzt die Zeit, ehrgeizige Reformen umzusetzen. Die französische Regierung hat dies absolut verstanden. In diesem neuen Zusammenhang werden wir größeren Druck sehen, den Einfluss der Geldpolitik zu reduzieren. Diese war unglaublich expansiv und hat den über die vergangenen Jahre verzeichneten Fortschritt angetrieben. Viele haben jedoch das Gefühl, dass diese ehrgeizige Politik zu weit geht, so dass der Druck steigen wird, Anreize aus der Geldpolitik zu drosseln. Das Wachstum bleibt in den entwickelten Ländern begrenzt (laut IWF 2% im Jahr 2018 gegenüber 2,9% im Durchschnitt zwischen 1980 und 2007), während die Inflation auf diesen Märkten noch immer zu schleppend ist (laut IWF 1,7% im Jahr 2018 gegenüber 2,9% im Durchschnitt zwischen 1980 und 2007), so dass im Bemühen, zu rasch zu handeln, eine Gefahr steckt. Ich glaube daher nicht an einen massiven Anstieg der Zinssätze, da eine spürbare Erhöhung ein gewaltiges Risiko für das makroökonomische Gleichgewicht wäre.

Wie anpassungsfähig und wendig wird also die Weltwirtschaft sein? Eine weitere Grundlage für das solide Wachstum sind die nachhaltig niedrigen Zinssätze. Eine abrupte Anhebung würde sich nachteilig auf die Wirtschaftstätigkeit auswirken. Dieses starke Wachstum geht jedoch mit einem lustlosen Produktivitätsprofil einher. Mit einer soliden Wirtschaft muss ein anhaltender Produktivitätsanstieg verbunden sein, und Innovation sollte der Schlüssel zu diesem Aufschwung bilden. Dies ist jedoch noch nicht der Fall und wir wissen nicht, wann sich der positive Einfluss auf die Produktivität bemerkbar machen wird – ob in zwei Jahren, in fünf oder zehn lässt sich nicht sagen.

Vor diesem Hintergrund könnte eine abrupte Änderung der Bedingungen der Geld- und Währungspolitik die derzeitige positive Entwicklung unterbrechen. Daher wird in den USA die Nominierung neuer Mitglieder in das Fed Board in Washington erhebliche Auswirkungen haben. Wird sich das neu besetzte Board an die Zusagen der vormaligen Mitglieder halten? Und wird es die Steuerung der Geldpolitik mit der allmählichen Normalisierung fortführen, die Finanzmärkte in ruhigere Bahnen gelenkt hat? Auf dieser Seite des großen Teiches möchte die EZB keine übereilten Änderungen vornehmen, da das Wachstumsprofil ihrer Auffassung nach viel länger bis zur Normalisierung brauchen wird, als man gemeinhin glauben möchte.

Europa muss sich mit zweierlei Änderungen im weltweiten Kontext befassen

Aus wirtschaftlicher Sicht geht es für den Kontinent nicht mehr darum, einen Rückstand aufzuholen, wie dies 2016 und 2017 der Fall war. Die Wachstumsdynamik wird eine ganz andere sein und weit mehr vom weltweiten Umfeld abhängen. Anders gesagt, die Wirtschaftspolitik in Europa muss ihre Rolle wieder übernehmen und die einzelnen Volkswirtschaften müssen sich bei gleichzeitiger Steigerung der Effizienz neuen Rahmenbedingungen anpassen. Der andere Punkt ist, dass sich die Lage der Weltwirtschaft in dieser Zeit nach der Krise drastisch zu Gunsten Asiens verändert hat. Die nachstehende Grafik zeigt, dass diese radikale Veränderung parallel zur Krise verlaufen ist. Die entwickelten Länder sind nicht mehr der Antrieb für das weltweite Wachstum, so dass der Prozess, auf Schocks zu reagieren und damit umzugehen, schmerzlicher sein wird als zuvor, da diese Länder nicht mehr hauptsächlich wachstumsbestimmend sind und das Durchschnittswachstum geringer ausfällt.

Die sich dramatisch verändernde politische Landschaft ist eine Quelle von Chancen für Europa. Die Zeit nach der Krise hat weniger kooperative, sondern eher ‚diktatorische‘ Züge. Die USA spielen beim politischen Kooperationsspiel nicht mehr mit, noch nicht einmal mit ihren üblichen Partnern. Die klaren protektionistischen Tendenzen ihres Steuerreformprogramms fördern US-Firmen zum Nachteil der restlichen Welt und insbesondere der entwickelten Länder, und spiegeln eine aggressivere Haltung als in der Vergangenheit wider. In China hat mittlerweile Xi Jinping seine Position weiter gefestigt und China in Richtung Globalisierung einen Schritt vorangebracht. Diese Verschiebung hin zu einer Welt mit weniger Bereitschaft zur Zusammenarbeit ist auch im Schritt des Vereinigten Königreichs zum Austritt aus der Europäischen Union zu erkennen. Die Briten glauben, es gehe ihnen außerhalb kooperativer Kanäle besser.

Dass die politischen Karten der Welt derzeit neu gemischt werden, muss als Chance für Europa gesehen werden und dafür muss Deutschland nun seine Regierung bilden und eine entschieden europäische Haltung einnehmen. Dies ist für eine Förderung der Zusammenarbeit in Europa unerlässlich, an was es der Welt insgesamt mangelt. Es würde auch helfen, den Populismus auf dem alten Kontinent zurückzudrängen, wie wir ihn in Österreich erleben und möglicherweise in Italien nach den Wahlen vom 4. März sehen werden.

Europa und Frankreich können eine Schlüsselrolle in dieser wirtschaftlichen und politischen Weltordnung spielen. Sie müssen die aktuelle robuste wirtschaftliche Konjunktur nutzen, um die zur Aufrechterhaltung eines kooperativen Ansatzes erforderlichen Schritte zu ergreifen und die notwendigen Institutionen einzurichten. Die Förderung der Zusammenarbeit ist eine der größten Herausforderungen, da eine ganze Reihe von Problemen nicht mehr nur auf Ebene der einzelnen Staaten angegangen werden können: Klima, Terrorismus, Globalisierung, Umweltverschmutzung und Sicherheit müssen auf globaler Ebene angegangen werden. Eine schwächere weltweite

Zusammenarbeit bei diesen Fragen ist sehr besorgniserregend, da sonst keines dieser Probleme effektiv gelöst werden kann.

Dieser optimistische Blick auf die Wirtschaft im kommenden Jahr muss also mit Blick auf eine Welt in Zusammenhang gesetzt werden, in der es entgegen den bisherigen Erwartungen durchaus gegenläufige Bewegungen und Lösungsansätze gibt. Europa muss hier eine treibende Kraft sein, da sich Europäer durchaus darüber im Klaren sind, dass eine weniger kooperative Welt keine positive ist.




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