Neue Horizonte mit Private Credit

Private Credit bietet geringeres Verlustrisiko bei guten Diversifikationspotenzial. Für institutionelle Investoren ist diese Assetklasse daher besonders interessant. Roger Cozzi, CIO für den Bereich Commercial Real Estate Debt bei AllianceBernstein, und Philipp Lehner, Leider des institutionellen Geschäfts von AllianceBernstein für die DACH-Region, stellen Private Credit vor.

Die Suche nach angemessenen risikoadjustierten Erträgen wird seit Jahren immer schwieriger. Angesichts des aller Voraussicht nach weiterhin niedrigen Zinsniveaus wird sich daran so schnell auch nichts ändern, im Gegenteil: Je länger die Zinsdürre andauert, desto mehr hochrentierliche Papiere verschwinden aus den Portfolios. Liquiditätsprobleme im festverzinslichen Bereich haben die erwähnten Probleme zusätzlich verschärft. Immer wieder wird das „Austrocknen“ der Liquidität thematisiert, auch Alliance Bernstein (AB) hat hierzu vor zwei Jahren eine Analyse veröffentlicht. Für institutionelle Anleger stellt dies jedoch immer häufiger eine echte Herausforderung dar – und der wenig liquide Kauf und Verkauf von Anleihen wird zum Normalzustand. Da die Banken in Folge der Finanzkrise ihre Bilanzen weiter straffen, nehmen sie immer seltener die Rolle als „Marktmacher“ ein. Zugleich wurden hohe Emissionsniveaus durch historisch niedrige Kosten für die Fremdkapitalaufnahme getragen. Es wird daher immer schwieriger, signifikante Summen in Unternehmensanleihen zu investieren oder zu veräußern.

Unserer Einschätzung nach ist es unwahrscheinlich, dass die Situation sich verbessert. Nach einer Studie des Beratungsunternehmens Oliver Wyman muss die Finanzbranche in den kommenden drei bis vier Jahren damit rechnen, dass die für Liquidität und Kapazität sorgenden Mechanismen um fünf bis zehn Prozent zurückgehen.

Erhebliche Risiken

Aufgrund der geringen Liquidität in den öffentlichen Fremdkapitalmärkten gehen institutionelle Investoren bereits heute erhebliche Risiken ein. Trotz dieses Zustandes bieten Unternehmensanleihen keine signifikante Illiquiditätsprämie. Dabei sollten Anleger erwarten können, dass sie für das Halten von relativ illiquiden Vermögenswerten kompensiert werden.

Die wachsende Anlageklasse Private Credit bietet institutionellen Investoren die Chance zur Kreditvergabe an etablierte Unternehmen. Bislang sehen viele Investoren dieses Segment mit seiner verlässlichen Illiquiditätsprämie nur oberflächlich als eine überzeugende Alternative auf der Suche nach Diversifikation und risikoadjustierten Erträgen. Wir aber sind davon überzeugt, dass es auch in Europa für institutionelle Investoren an der Zeit ist, sich dieser Anlageklasse zuzuwenden.

Die höheren Renditen bieten eine erhebliche Illiquiditätsprämie gegenüber den öffentlich gehandelten Wertpapieren mit vergleichbaren Bonitäten und Laufzeiten. Diese Prämie genau zu quantifizieren war immer schwierig, ist jedoch wichtig, um das beste Risiko-Ertrags-Profil zu ermitteln.

Wir haben die verfügbaren Erträge analysiert – am Beispiel des US-Marktes. Unser Fazit: Am eher konservativen Ende der Skala bieten vorrangig unbesicherte Private Placements, die hinsichtlich ihrer Bonität recht einfach mit herkömmlichen Anleihen verglichen werden können, eine Prämie zwischen 15 und 25 Basispunkten. Für Darlehen, die zu groß sind, um von den staatlichen Instituten Fannie Mae und Freddy Mac aufgekauft zu werden – sogenannte „Jumbo“-Wohnhypothekendarlehen –, liegt die Prämie im Bereich zwischen 75 und 200 Basispunkten. Für komplexere Papiere, wie etwa Restrukturierungsdarlehen für Gewerbeimmobilien, kann die Prämie in einigen Fällen sogar bis zu 400 Basispunkte betragen (siehe Abbildung).




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