Renditevorteil in den Emerging-Markets

In den Schwellenländern stehen 20 Wahlen an. Wirkt sich das auf Anleihen aus? Hannes Boller, Senior Portfolio Manager bei Fisch Asset Management, kommentiert die Marktperspektiven.

Mit acht Prozent Gesamtrendite bereiteten Emerging-Market-Unternehmensanleihen in US-Dollar den Investoren im vergangenen Jahr viel Freude. Auch wenn das Potenzial für weitere Kursgewinne nach dieser fulminanten Performance eher begrenzt erscheint, so konnte die Anlageklasse bisher zumindest die steigenden Zinsen der letzten sechs Monate vollständig durch laufende Zinserträge und sinkende Risikoprämien (Spreads) abfedern. Sie hat damit ihre Feuertaufe im momentanen Umfeld bestanden. Bond-Anleger, die sowohl steigende Zinsen als auch ansteigende Spreads fürchten, etwa aufgrund nervöser Finanzmärkte, sollten sich frühere Zyklen vor Augen führen. Ansteigende Prämien bedeuten nicht automatisch schlechte Performance-Ergebnisse, da die laufende Rendite hoch ist und kompensierend wirkt. So weisen Schwellenländer-Unternehmensanleihen in Hartwährungen in den vergangenen 15 Jahren nur zwei Mal einen negativen Total Return auf, obwohl sich die Prämien im gleichen Zeitraum sieben Mal ausweiteten. Dazu kommen Vorteile bei steigenden Zinsen aufgrund der Duration, die im Schnitt deutlich kürzer ist als bei US-Pendants. Das heißt, sie reagieren weniger stark auf Zinsänderungen.

Das robuste Wirtschaftsumfeld führt zu einer Normalisierung der künstlich niedrig gehaltenen Zinsen und wird damit für Staatsanleihen langsam aber sicher zum Problem. Bei Unternehmensanleihen hingegen sorgt es für historisch niedrige Ausfallraten. Diese lagen vergangenes Jahr bei zwei Prozent, nachdem der Wert 2016 noch knapp über fünf Prozent lag. Tiefe Ausfallraten beeinflussen die Kreditmärkte positiv. Wir gehen auch für dieses Jahr davon aus, dass die durchschnittliche Ausfallrate bei zwei Prozent liegen wird und das Segment entsprechend stärkt – sofern es zu keinen Turbulenzen kommt, etwa an den Rohstoffmärkten.

Der Upgrade-Trend bei den Ratings, den wir seit dem zweiten Quartal 2017 beobachten, ist ebenfalls positiv für die Schwellenländermärkte. Denn damit verbindet sich eine verbesserte Qualität und Risikowahrnehmung der Investoren, die Zuflüsse in die Anlageklasse nach sich zieht.

Erhöhte Volatilität können dieses Jahr die über 20 Wahlen in den Schwellenländern auslösen. Daneben wären zu rasch steigende Zinsen oder eine Trendwende an den Rohstoffmärkten negative Signale für Emerging-Market-Bonds. Doch in der Summe bleiben die Aussichten überwiegend positiv. Das wirtschaftliche Wachstum der Schwellenländer – mit China und Indien als Treiber – soll immerhin bei 4,8 Prozent liegen gegenüber 2,1 Prozent in den entwickelten Nationen (IWF Schätzung 2018) und bildet gute Rahmenbedingungen für die Märkte. Momentan sehen wir wegen des globalen Wachstums und einem tendenziell schwachen Dollar attraktive Opportunitäten in den Sektoren Rohstoffe sowie Energie. Ein schwacher Dollar ist generell positiv für Schwellenländer. Unverändert bleibt es bei der Tatsache: Schwellenländeranleihen bieten höhere Renditen als solche aus Industrienationen bei vergleichbarem Risiko.




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