Strategie nicht an Zinspolitik ausrichten

In Europa und den USA gibt es keine Aussicht auf Zinserhöhungen. Lutz Neumann zufolge sollten Anleger sich nicht an der Zinspolitik von Notenbanken orientieren. Rendite und Stabilität erreichen sie durch ein klassisches Aktien-Anleihen-Portfolio.

An den Kapitalmärkten hat das Jahr 2019 bislang einige positive Überraschungen bereitgehalten: Anleihen haben sich gut entwickelt, Aktien verzeichneten mit einem Plus von über 10 Prozent einen fulminanten Jahresauftakt. Doch gerade sehr sicherheitsorientierten Anlegern, die auf einen möglichst risikolosen Zins setzen, dürfte die Vorfreude auf höhere Sparzinsen inzwischen wieder vergangen sein: Nach der Ankündigung der Fed, dass es in diesem Jahr keine Zinserhöhungen mehr geben soll, sind die Hoffnungen vieler Sparer zunichte – wobei in Europa noch nicht einmal mit einer Zinserhöhung begonnen wurde.

Aus dem risikolosen Zins ist längst ein zinsloses Risiko geworden. Anleger sollten sich generell freimachen vom Spekulieren über die weitere Zinspolitik. Die Abkehr der Fed von ihrer nur kurz andauernden Zinserhöhungspolitik zeigt die Unberechenbarkeit der Entwicklungen. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und damit einhergehend die Zinspolitik der Notenbanken können sich jederzeit aufs Neue verändern – wer versucht, seine Anlage daran auszurichten, verpasst Rendite. Anleger sollten angesichts des zunehmenden zinslosen Risikos ihr Portfolio deutlich stärker mit einem renditeorientierten Investment durchmischen. Und das ist nach wie vor die Aktie.

Grundsätzlich sollten jedoch auch festverzinsliche Wertpapiere in jedem Vermögensmix vertreten sein. Mit einem klassischen Aktien-Anleihen-Portfolio sind Anleger langfristig gut aufgestellt, unabhängig von kurzfristig sich verändernden Marktsituationen. Unternehmensanleihen bieten sich beispielsweise zur Beimischung von Aktien weltweit an.

Unsicherheit weltweit bestimmt auch weiterhin die Märkte

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zeigen aktuell sehr deutlich, dass mit weiterhin viel Unsicherheit zu rechnen ist und eine darauf abgestellte Anlagestrategie kaum möglich ist.

Mit Blick auf das Wirtschaftswachstum in Europa beispielsweise sind die Volkswirte eher skeptisch. Für den Euro-Raum erwarten sie in diesem Jahr gerade einmal 0,9 Prozent Wachstum. Damit bildet Europa weltweit gesehen das Schlusslicht bei den Wachstumsprognosen (USA 2,5 Prozent, Japan 1,2 und China 6,3). Für Deutschland rechnen die Experten nur noch mit 0,6 Prozent, nachdem sie vormals noch 1,2 Prozent Wachstum vorausgesagt hatten. Italien könnte nach ihren Schätzungen sogar in eine leichte Rezession abrutschen. Die Gründe für die zurückhaltenden Prognosen sind vielfältig. Größte Unsicherheitsfaktoren sind nach wie vor die ungeklärte Brexit-Frage sowie der Handelsstreit zwischen den USA und China.

Hinsichtlich möglicher US-Importzölle gegen europäische Autobauer könnte es allerdings zu einer Beruhigung aus den USA selbst kommen: Da selbst die amerikanische Automobilindustrie, der Trump den Rücken stärken will, wenig davon hält, bleibt fraglich, ob Trump diese Maßnahme umsetzen wird. Nach acht Monaten Handelskrieg zwischen den USA und China wird zudem allseits erwartet, dass es nun zu einer Einigung kommen wird, die weitere Zollanhebungen verhindert.

Deutschland: eingetrübte Aussichten, doch Arbeitsmarkt bleibt robust

Auch in Deutschland gibt es weiterhin eine hohe Unsicherheit über die weitere Entwicklung. Der Start ins Jahr 2019 verlief für die deutsche Wirtschaft eher verhalten. Speziell in der Industrie verringerte sich im Januar die Produktion deutlich. Auch die Auftragseingänge in der Industrie sind rückläufig. Dennoch vermeldet das Münchner ifo-Institut zum ersten Mal seit sechs Monaten einen steigenden ifo-Geschäftsklimaindex und damit eine positivere Stimmung in den Chefetagen der Wirtschaft. Aktuelle Lage sowie Einschätzungen für das künftige Geschäft werden von den befragten Unternehmen günstiger bewertet. Hingegen bricht die Exportstimmung bei den deutschen Unternehmen im März ein – die abkühlende Weltkonjunktur macht der deutschen Exportindustrie zu schaffen. In der Automobilbranche werden Exportrückgänge erwartet und im Maschinenbau keine Zuwächse. Nur die Chemie- und die Elektroindustrie gehen von Auftragszuwächsen aus.

Seite zwei – Arbeitsmarkt bleibt robust, Zinsen tief




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