Trump, der Dollar und die EZB

„Trumps Stippvisite in Europa fällt zusammen mit einer merkwürdigen Schwäche des US-Dollar“, bemerkt Dr. Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie für Deutschland, die Schweiz, Österreich und Osteuropa bei BlackRock. Was kommt auf uns zu?

Diesmal wollte Donald Trump sich beim World Economic Forum (WEF) nicht wie 2017 von seinem chinesischen Amtskollegen die Show stehlen lassen, und so machte er sich auf den weiten Weg nach Davos. Weit ist dieser Weg nicht nur in Kilometern, sondern auch gemessen am ideologischen Abstand zwischen den vom Welthandel profitierenden Konzernlenkern und Staatschefs, die sich normalerweise in den Schweizer Alpen ihr Stelldichein geben, und der hinlänglich bekannten Denkwelt des US- Präsidenten. Insofern war die Rede, die Trump am Freitag hielt, mit Spannung erwartet worden. Und weil der übliche präsidentiale Redenschreiber Stephen Miller mit der State of the Union-Ansprache des Präsidenten beschäftigt war, kam Wirtschaftsberater Gary Cohn zum Zuge. Die – gemessen an Trumps sonstiger Rhetorik – geradezu diplomatisch formulierte Davos-Rede aus der Feder des ehemaligen Investmentbankers beruhigte die Gemüter dergestalt, dass sich im Anschluss einige sonst als besonnen geltende Konzernchefs Trump geradezu zu Füßen warfen und seinen Davos-Besuch damit, sicherlich zumindest in seiner eigenen Wahrnehmung, zu einem Erfolg machten. Great.

Trumps Stippvisite in Europa fällt zusammen mit einer merkwürdigen Schwäche des US-Dollar. Erinnern wir uns: Während des Wahlkampfs hatte Trump stets getönt, unter seiner Führung werde nicht nur ‚America great again‘ sein, sondern auch seine Währung zu ihrer angemessenen Stärke zurückfinden. Spätestens nach seiner Inauguration vor gut einem Jahr muss jemand dem Präsidenten erklärt haben, dass ein starker Dollar nicht uneingeschränkt positiv für die US-Wirtschaft sei, so dass Trump in seinen folgenden Reden plötzlich das Recht auf einen schwachen Dollar für die US-Wirtschaft reklamierte. Interessant ist, dass trotz der zuletzt starken Wachstumsdaten aus den USA, der angekündigten Steuersenkungen und der folgerichtig ebenfalls für den Dollar sprechenden Zinsabstände die US- Leitwährung zu Jahresbeginn überraschend geschwächelt hat. Preisen hier Marktteilnehmer tatsächlich schon ein dramatisch ausgeweitetes Leistungsbilanzdefizit ein, etwa als Folge von im Zuge der Steuerreform steigenden Importen oder wachsender Verschuldung?

Vermutlich nein, denn derartige Effekte brauchen üblicherweise wesentlich länger, um sich im Wechselkurs niederzuschlagen. Eine weitere mögliche Erklärung könnte eher sein, dass die gegenwärtige, rund um den Globus vorherrschende Wahrnehmung von „risk-on“ Anleger weniger als im Durchschnitt der letzten Jahrzehnte zu den als sicherer Hafen geltenden US-Staatsanleihen greifen lässt. Dies mag sich auf Sicht wieder ändern, könnte aber im Moment einen Teil der schwachen Nachfrage nach Dollars erklären. Es findet sich aber noch ein anderer Grund, und der liegt jenseits des Atlantiks.

Spiegelbildlich nämlich zu der Verwunderung über den schwachen Dollar gab es in den ersten Wochen dieses Jahres Erstaunen über die Euro-Stärke. Diese wurde einerseits erklärt durch den zunehmenden Optimismus mit Blick auf eine europafreundliche neue Bundesregierung. Wie immer man über dieses Thema denkt, dürfte unbestritten sein, dass eine neuerliche GroKo, mit Martin Schulz in einem wichtigen Ministerressort und ohne Wolfgang Schäuble im Finanzministerium, das Wunschszenario der Integrationsbefürworter so langsam Konturen annimmt. Andererseits wurde der starke Lauf des Euro – die Gemeinschaftswährung sprang am Donnerstagnachmittag sogar kurz über die Marke von 1,25 – erklärt durch die Erwartung vieler Marktteilnehmer, die EZB könne eventuell noch in diesem Jahr zum ersten Mal die Zinsen erhöhen. Wie vor einer Woche an dieser Stelle geschrieben, erwies sich diese Interpretation aber als verfrüht. In der Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag bemühte sich Mario Draghi redlich, den Eindruck einer Richtungsänderung der EZB zu zerstreuen. Mit der Verflüchtigung der Einschätzung, die EZB könne früher als erwartet die Zinsen erhöhen, dürfte sich auch die Stärke des Euro relativieren.

Was bedeutet das für Anleger?

Einen Einfluss auf diese Relativierung könnten die Wirtschaftsdaten dieser Woche ausüben. So veröffentlicht die EZB die Inflationsdaten für Januar, und die dürften, glaubt man dem Markt-Konsens, mit 1,3% für die Gesamt- und 1,0% für die Kernrate etwas niedriger ausgefallen sein als im Dezember (jeweils 1,4% und 1,1%). Außerdem könnte in dieser Woche, an deren Ende Jerome Powell von Janet Yellen das Amt des Fed-Chefs übernimmt, der Weg für den nächsten Zinsschritt in den USA bereitet werden. Marktteilnehmer erwarten im Durchschnitt, dass die Zahl der neugeschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft mit 175.000 sehr robust ausfällt, deutlich über den 148.000 vom Dezember. Außerdem könnten die Stundenlöhne bei weiterhin sehr niedriger Arbeitslosenquote (4,1%) leicht weiter (auf 2,6% von 2,5% im Dezember) anziehen. Im Fokus steht weiterhin die Kernrate der Konsumentenausgaben (core PCE), die zuletzt auf 1,5% erholt hat und die als Hauptinflationsmaß der Fed gilt.




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