Walkability setzt Maßstab

Möglichst viel auf möglichst kurzer Distanz zu erreichen ist die Maxime, nach der viele Menschen leben und arbeiten. Der neue Trend in der Immobilienwelt bestimmt die Kriterien, nach denen Unternehmen ihren Standort wählen.

Urbanisierung beschreibt die Vermehrung, Ausdehnung oder Vergrößerung von Städten nach Zahl, Fläche oder Einwohnern, sowohl absolut als auch im Verhältnis zur ländlichen Bevölkerung. Deutschland bietet ein Beispiel, das sich seit geraumer Zeit verfolgen lässt: Nach Angaben der Vereinten Nationen sank die Zahl der auf dem Land lebenden Bewohner von 1950 bis 2016 von rund 22,4 Millionen auf circa 20,2 Millionen Menschen. Im gleichen Zeitraum nahm die Stadtbevölkerung um über 23 Prozent zu, von 47,8 Millionen auf 62,3 Millionen Menschen. Prognosen zufolge sollen bis zum Jahr 2050 sogar etwa 60,2 Millionen Menschen in den Städten leben – im Vergleich zu nur noch 12,4 Millionen Menschen auf dem Land.

Die Landbevölkerung schrumpft, die Stadtbevölkerung wächst. Beide Phänomene führen zu tiefgreifenden strukturellen Veränderungen. Der Begriff der Abwanderung erinnert zunächst an ostdeutsche Regionen. Inzwischen betrifft der Wegzug vor allem junger Menschen auch Teile Westdeutschlands. Die Daseinsvorsorge ist deshalb ein wichtiges Thema in den ländlichen Räumen. Der Bevölkerungsschwund wirkt sich in hohem Leerstand und Angebotsüberhängen auch auf die Wohnungsmärkte aus. Ein weiterer Aspekt ist das regionale Fachkräftedefizit und die damit verbundene mangelnde Wettbewerbsfähigkeit ländlicher Regionen.

Expansion und Mietpreisdruck

In den Städten dagegen fördert die wachsende Bevölkerung die wirtschaftliche Entwicklung. Die entstehenden Wachstumsimpulse verstärken sich selbst, denn Regionen mit Wirtschaftswachstum ziehen neue Bewohner an. In der Folge expandieren Wohnungsmärkte in Metropolregionen und der Mietpreisdruck steigt. Positiv ist dort die wachsende Anzahl von Fachkräften. Die Ausdehnung des Berliner Stadtgebiets etwa übertraf sämtliche Prognosen. Das Wachstum erfolgte „bottom-up“, beispielsweise durch die Ansiedlung junger Gründer, denen weitere Mitarbeiter gefolgt sind. Ein kreatives Umfeld steigert das Innovationspotenzial. Somit basiert der wirtschaftliche Erfolg einer Stadt auch auf Kreativität.

Die zunehmende Abwanderung aus ländlichen Gebieten in die Metropolen bedeutet auch, dass sich städtische Lebens-, Wirtschafts- und Verhaltensweisen verändern; es bildet sich eine neue Lebenskultur. Ein Anhaltspunkt hierfür ist die steigende Bedeutung des öffentlichen Nahverkehrs. Viele Städte und Kommunen versuchen kontinuierlich, Liniennetz und Preis-Leistungs-Verhältnis zu verbessern. Ihr Ziel ist es, den öffentlichen Nahverkehr so zu gestalten, dass er verträglicher für Stadt und Umwelt wird und das Verkehrsaufkommen reduziert. Das Umdenken vieler Menschen fördert diese Entwicklung.

Wohnen in der Nähe zum Büro

In der Vergangenheit nutzten sie lieber das Auto statt öffentlicher Verkehrsmittel. Inzwischen bildet sich ein ökologisches Bewusstsein. Zudem steigen die Ansprüche an Freizeit und Arbeit: Beides soll nach eigenem Ermessen gestaltet und miteinander verknüpft werden. Junge Menschen sind wertvoll für viele Unternehmen, da sie mit ihrer Ausbildung und ihrem Fachwissen begehrte Talente sind. Sie wollen dort, wo sie arbeiten, auch leben, einkaufen oder einen Arzt aufsuchen. Wenn beide Eltern berufstätig sind, möchten sie die Kinder auf dem Weg zur Arbeit in den Kindergarten oder die Schule bringen. Ebenso schätzen Alleinstehende die Nähe von Wohnort und Arbeitsplatz sowie das kulturelle Angebot einer Stadt. Die Nähe zum Büro erleichtert zudem das soziale Netzwerken, mittlerweile ein wichtiger Aspekt in vielen Berufen.




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