Was Trump von Kant lernen kann

Immanuel Kants Prinzipien sind entgegen der landläufigen Meinung alles andere als theoretisch. US-Präsident Trump würde von einer Lektüre profitieren – Fondsmanager aber auch.

Immanuel Kant war ein Titan der Philosophie, das wissen die meisten seit ihren Schultagen. Kants Gedanken waren gewaltig, darunter auch seine Schrift mit dem  sperrigen Titel „Über den Gemeinspruch: Das mag in der Theorie richtig sein, taugt aber nicht für die Praxis“.

Darin wehrt sich Kant gegen die Anwürfe seiner Gegner, seine Philosophie sei lebensfremd, unpraktisch und allein aus abstrakten Prinzipien gespeist. Die Pflicht müsse sich an konkreten Situationen messen lassen, dürfe sich nicht auf eine unrealistische Position zurückziehen, in welcher der Handelnde sich am Ende ohnehin nie befinde.

Kants Pflicht als Raster zur Ordnung von Fakten

Kant sieht die Pflicht als eine Regel, die das Handeln anleitet, ohne es zu bestimmen. Es kommt ihm nicht in den Sinn, in der Theorie Handlungsvorschriften für konkrete Probleme zu geben. Die Theorie gibt Regeln an die Hand, mit deren Hilfe wir uns durch das Dickicht einer mitunter unübersichtlichen Realität schlagen können. Darin besteht der praktische Wert der Theorie: Sie gibt den Tatsachen, die wir täglich, stündlich, minütlich aufsammeln, ein Raster. Innerhalb dessen können wir sie nicht nur ordnen, aufräumen und ablegen, es ermöglicht auch Prognosen.

Warum sollte das Investoren interessieren? Nun, sie sind immer auf eine Theorie angewiesen, weil sie sich mit einer prinzipiell unsicheren Zukunft beschäftigen. Der Begriff Investition kommt vom Lateinischen investigare und bedeutet so viel wie auskundschaften, ausfindig machen, erkunden, erforschen. Damit hat es eine ganz ähnliche Bedeutung wie speculari. Von dem transitiven Verb leitet sich der Begriff des Spekulanten ab, der aber etwas in Verruf geraten ist. Ein Kundschafter muss wissen, wonach er Ausschau halten soll, bevor er loszieht. Ohne ein System von Begriffen lässt sich das Relevante nicht vom Überflüssigen trennen und der Kundschafter kommt mit Erzählungen über die Schönheit der Natur zurück ins Lager, anstatt mit Angaben über Ausrüstung und Stärke der feindlichen Truppen.

Anleger müssen relevante und irrelevante Informationen unterscheiden

Investoren, Spekulanten, Anleger tun wenig anderes, als relevante von irrelevanten Informationen zu unterscheiden. Im Zeitalter universal und sofort verfügbarer Informationen muss der Investor viel Zeit und Mühe auf die Pflege seines theoretischen Gerüsts verwenden. Das umfasst nicht nur die finanzmathematische Theorie, die angehenden Analysten und Fondsmanagern an den Universitäten beigebracht wird. Die für den Investor relevanten Theorien sind lebensnäher: Sie fragen zunächst einmal nach den Interessen der relevanten Akteure. Das ist geradezu eine Berufsbeschreibung der ökonomischen Zunft: Wie gehen Menschen unter der Bedingung knapper Ressourcen ihren Interessen nach. Die Interessen sind in unserem Beruf das, was in der Mathematik die Axiome sind: Hat man sie erst einmal freigelegt, so findet sich der Rest durch logisches Nachdenken meist von ganz allein.

Seite zwei – langfristige Weltsicht weit wichtiger als Aufregung um Tagespolitik



Nachricht an die Redaktion

Hier können Sie uns einen Kommentar zu dem Artikel zukommen lassen.
Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

]

Bei unseren Lesern momentan beliebt