Wie Tesla zum Albtraum für den Dax werden könnte

Der DAX hat seit Anfang August knapp fünfzehn Prozent verloren, seine Konkurrenten in Übersee nur zwischen drei und fünf Prozent. Seine Schwäche könnte ein Vorbote für Schlimmeres sein.

Der DAX hat seit Anfang August knapp fünfzehn Prozent verloren, seine Konkurrenten in Übersee nur zwischen drei und fünf Prozent. Damit ist der deutsche Leitindex ein dramatischer Underperformer gegenüber Dow, Nikkei oder Nasdaq. Seine Schwäche könnte ein Vorbote für Schlimmeres sein. Allein, das richtige Timing einen Bärenmarkt auszurufen ist eine Kunst, das dazugehörige Risikomanagement die Wissenschaft dazu. Der deutsche Aktienmarkt befindet sich zudem in einer verhängnisvollen Spezialsituation.

Kein Wunder, dass Michael J. Howell von Smartkarma derzeit viel Aufmerksamkeit für seinen historischen Vergleich mit einer brenzligen Situation bekommt: „Ähnliche Entwicklungen gab es 1987 vor dem Börsencrash im Oktober, und obwohl die Bedingungen für einen ähnlichen Bärenmarkt Monate entfernt sein können, müssen die Auslöser, nämlich steigende Anleiherenditen und ein schwacher USD, genau beobachtet werden.“

S&P-Aktienbewertung an Extrempunkt

Sein Smartkarma-Kollege Albert Maass verweist außerdem auf die extremen Bewertungsniveaus an den Börsen: „Alle Crashs und eine Mehrheit der akuten Bärenmärkte folgten extrem überteuerten Aktienmärkten. Die Bewertung der S&P-Aktien liegt aktuell 70 Prozent über dem, was ökonomisch gerechtfertigt wäre.“ Damals wie heute verunsicherten die führenden Notenbanken mit ihrer Geldpolitik über lange Zeit die Aktienmärkte – bis zum plötzlichen Ausverkauf, der die meisten Börsianer dann doch kalt erwischte.

Besonders anfällig für Korrekturen ist der DAX mit seinem hohen Anteil an Automobilwerten. Sie haben aufgrund der jüngsten Entwicklung ihre Vorreiter-Rolle als stärkste Branche im Index schon abgegeben. Der jüngste Erfolg von Elon Musk befeuert dabei die Diskussionen unter Fondsmanagern und Analysten über die Zustände bei den deutschen Autobauern.

Teslas Quartalsergebnisse und internationale Absatzstatistiken dokumentieren das einst Undenkbare: die automobile Oberklasse ist nicht mehr fest in deutscher Hand. Es etabliert sich ein Konkurrent außerhalb Europas, den man vor einem Jahr schon abgeschrieben hatte. Teslas Model 3 war im jüngst abgeschlossenen dritten Quartal die Nummer 5 auf der Top Ten-Liste der in den USA meist verkauften Autos. Die deutschen Autobauer tauchen in dieser Liste überhaupt nicht auf.

Wie zukunftsfähig sind deutsche Autobauer?

Aktuell diskutieren unabhängige Industrieexperten auf Smartkarmas Research-Plattform, ob deutsche Autobauer mit ihrem Angebot unterm Strich langfristig freien Cash Flow generieren können, der nachhaltige Zukunftsinvestitionen ermöglicht. Die Antwort darauf ist fundamental für den Ausblick auf den deutschen Aktienmarkt, denn noch wird fast ein Viertel aller DAX-Gewinne von BMW, Daimler, Continental und Volkswagen erwirtschaftet. Ist die deutsche Automobilbranche in Gefahr, dann schlägt das auf den DAX, aber auch auf die deutsche Konjunktur durch.

Elon Musks Erfolge sind ein Traum für Tesla-Aktionäre, aber machen Investitionen in Daimler, DAX und Co derzeit zum Albtraum für deutsche Anleger. Durch den Zinsanstieg in den USA und die Verknappung der geldpolitischen Mittel fehlt dem Aktienmarkt derzeit einfach das Kapital für eine schnelle Erholung. Der DAX scheint in keiner guten Verfassung für eine Gegenreaktion zu sein, aber zumindest die technische Marke von 11000 Punkten hat bisher gehalten und könnte der Ausgangspunkt für eine Stabilisierung sein.




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