„Wir sehen Gold weniger als Rohstoff“

Global Investor im Interview mit mit James Butterfil, Head of Strategy & Investment von ETF Securities, und Jan-Hendrik Hein, Director – Head of German Speaking Regions at ETF Securities, über die Zukunft des aktiven Managements. Warum fokussiert sich ETF Securities auf Rohstoffe und Metalle?

ETF Securitites hat den ersten ETF zu Gold weltweit aufgelegt. Wie kam es dazu?

Wir denken, dass sich in unserer Firma vieles um Zugänglichkeit dreht. Vor 15 Jahren wäre es für einen Anleger schwierig gewesen, in Gold zu investieren. Er hätte sich um Lieferung, Lagerung und Versicherung kümmern müssen. Das wäre kompliziert gewesen, teuer und zeitaufwendig. Wir haben die Angelegenheit vereinfacht, indem wir einen ETF aufgelegt haben, der zwar durch physische Goldbestände gesichert wird, aber an der Börse gehandelt werden kann. Auch heute bemühen wir uns darum, diese Zugänglichkeit in anderer Form umzusetzen. Robotik ist ein gutes Beispiel dafür. Wir haben erkannt, dass dieser Sektor global relevant werden würde und wir wollten Investoren den Zugang zu dieser Branche erleichtern. Unser Robotik ETF ist sehr beliebt. Vor eineinhalb Jahren hatte er ein Volumen von 17 Millionen US-Dollar, heute liegen wir bei etwa 700 Millionen US-Dollar.

Wie wichtig ist Ihnen Innovation bei ETS Securities?

Wir sind auch abseits von unserem Gold-ETF Vorreiter. Seit der Finanzkrise bieten wir vollständig gesicherte ETCs an, um die Risikoexposition gegenüber dem Tauschanbieter abzumildern. Zudem haben wir die erste und bisher einzige ETC-Plattform für den Devisenmarkt (FX) auf den Weg gebracht. Wenn es um vollständig gesicherte FX-ETCs geht, inklusive einiger Emerging Markets-Produkte, haben wir einen Marktanteil von 99 Prozent in Europa, wo man sonst mit nicht lieferbaren Forwards hätte arbeiten müssen. Private Investoren haben sonst keine andere Möglichkeit, Zugang zu Märkten wie Indien und China zu erhalten. Dagegen werden wir werden niemals einen Dax- oder S&P-ETF auflegen, weil es diesbezüglich schon zu viele Angebote auf dem Markt gibt

Woher stammt Ihr Fokus auf die Bereiche Rohstoffe und Währungen?

Rohstoffprodukte waren die ersten, die wir bei ETF Securities angeboten haben. Wir sind in einem Umfeld gewachsen, das anfangs wenig Konkurrenz bot, also konnten wir uns als Marktführer in Europa etablieren. Unser Marktanteil in dieser Region liegt derzeit bei über 30 Prozent, im Falle unseres Gold-ETPs bei etwa vierzig Prozent. Wir konzentrieren uns auf Rohstoffe, aber wir haben auch erkannt, dass der Rohstoffmarkt sehr zyklisch ist. Wenn man sich also zu sehr auf diesen Bereich fokussiert, ist man den Preisbewegungen sowie den Zu- und Ausflüssen ausgeliefert. Deswegen haben wir uns relativ früh dafür entschieden, uns zu diversifizieren und auch Produkte zu Fixed Income, Devisen und Equity in unser Repertoire aufzunehmen.

2017 hatten wir mehr Zuflüsse im Equity- als im Rohstoffbereich. Die Diversifizierung war also eine gute Entscheidung. Nichtsdestotrotz stellen Rohstoffprodukte unser Kerngeschäft dar.

Sind Investitionen in Edelmetalle solchen in Industriemetalle vorzuziehen?

Das denke ich nicht. Den beizulegenden Zeitwert von Gold schätzen wir derzeit auf 1,260 US-Dollar. Diese Schätzung basiert auf der Annahme, dass Nordkorea nicht zum nuklearen Schlag ausholt und dass Donald Trump sich mit seinen Tweets zurück hält. Solange es keine geopolitische Eskalation gibt, wird sich am Preis nicht viel ändern. Anleger kaufen Gold nicht, um ihren Kapitalwert zu erhöhen. Sie kaufen es als Absicherung gegen geopolitische Krisen, oder gegen eine unsichere Geldpolitik in den Vereinigten Staaten, Großbritannien, oder Europa.

Industriemetalle waren Anfang 2017 unsere erste Wahl und wir raten vielen Kunden dazu, sich diesem Sektor zuzuwenden. Wegen der erst schlechten wirtschaftlichen Lage in China und der darauf folgenden Erholung besteht nun ein Mangel an Industriemetallen. Seit Jahren haben Bergbaufirmen ihren Kapitaleinsatz reduziert. Das weist auf ein aufkeimendes Problem hin, da dies den Abriss von Produktionsstätten bedeuten könnte. Nichtsdestotrotz sehen die Bewertungen von Industriemetallen gut aus und können eine lukrative Kaufoption darstellen.

Wie könnte sich der Markt für Gold und Silber in nächster Zeit entwickeln?

Der Markt für Silber sieht derzeit gut aus. Das einzige Problem ist, dass der Kurs von Silber zu 80 Prozent mit dem von Gold korreliert beziehungsweise ihm folgt. Silber findet in der Industrie viel Verwendung. Wir sehen es also weniger als Edelmetall, sondern eher als wertvolle Ressource für die Industrie. Auch Gold sehen wir weniger als Rohstoff, da Angebot und Nachfrage den Preis wenig beeinflussen, sondern mehr als Währung. Sein Kurs tendiert dazu, antiproportional zum US-Dollar zu verlaufen. Der niedrige Kurs des Dollar kam dem Goldkurs also zugute. Wir wissen allerdings nicht, wie lange die amerikanische Währung noch so schwach bleiben wird. Das wiederum könnte negative Auswirkungen für den Goldpreis haben. Wir glauben, dass der beizulegende Zeitwert für Gold Mitte 2018 bei 1,230 US-Dollar liegen wird. Keine große Veränderung zu jetzt also, aber eine gute Möglichkeit zur Absicherung.




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