Wohin steuert die Geldpolitik?

Konjunktur und Strategie (38/2017): Mehr Wachstum, aber wenig Inflation: Wohin steuert die Geldpolitik? Carsten Klude kommentiert die Marktentwicklungen mit Hinblick auf die Geldpolitik.

Der Aufschwung der Weltwirtschaft hat sich bis zuletzt mit unverminderter Dynamik fortgesetzt. Von den 38 Volkswirtschaften, deren reale Wachstumsraten des Bruttoinlandsproduktes wir auswerten, wiesen im zweiten Quartal 2017 alle eine positive Wachstumsrate auf – das erste Mal seit dem vierten Quartal 2005. Seit 1980, also über einen Zeitraum von 150 Quartalen, war dies überhaupt nur vier Mal (also in 2,7 Prozent aller beobachteten Quartale) der Fall. Die meisten Frühindikatoren deuten darauf hin, dass sich an dieser positiven Konstellation in der nächsten Zeit wenig ändern wird. Nimmt man die globalen Einkaufsmanagerindizes als Maßstab, könnte sich das Wachstumstempo sogar noch etwas beschleunigen. Im verarbeitenden Gewerbe, für das es Indizes aus 41 Ländern gibt, lag der Medianwert zuletzt bei 55,1 Punkten und damit auf einem Niveau wie zuletzt im Mai 2007. 90 Prozent der Indexwerte lagen dabei über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Bei den Dienstleistern, für die es Indizes aus 17 Ländern gibt, lag der Medianwert bei 53,5 Punkten, wobei in 88 Prozent der Fälle die Werte über 50 Punkte lagen. Auch die so genannten Economic Surprise Indizes, die die Abweichung der tatsächlichen Wirtschaftsdaten im Vergleich zu den Erwartungen messen, befinden sich nach der Abschwächung im zweiten Quartal 2017 seit Anfang Juli wieder deutlich im Aufwind. All dies spricht dafür, dass das globale Wirtschaftswachstum in diesem Jahr besser ausfallen wird, als es der IWF mit einer Rate von 3,5 Prozent erwartet.

Quelle: M. M. Warburg & Co.

Aufschwung betrifft fast alle Länder

Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass der globale Aufschwung das erste Mal seit langer Zeit sehr synchron verläuft und fast alle Länder an ihm beteiligt sind. In den USA, die mit einer Wirtschaftsleistung von gut 18 Billionen US-Dollar einen Anteil von 24 Prozent an der globalen Wirtschaftsleistung haben (nimmt man die Kaufkraftparitäten als Maßstab, reduziert sich dieser Anteil auf 15 Prozent), hat sich das Wirtschaftswachstum nach einem schwachen ersten Quartal mit einer Wachstumsrate von annualisiert 1,2 Prozent auf 3,0 Prozent im zweiten Quartal beschleunigt. Trotz des vermeintlichen Chaos im Weißen Haus dürfte dieses Wachstumstempo in der zweiten Jahreshälfte in etwa beibehalten werden, sodass die US-Wirtschaft auf Gesamtjahressicht real um 2,3 Prozent wachsen wird. Zwar ist es sehr wahrscheinlich, dass die beiden Wirbelstürme „Harvey“ und „Irma“ kurzfristig einen wirtschaftlich dämpfenden Effekt haben, mittelfristig werden die zwischenzeitlichen Produktionsausfälle aber wieder aufgeholt, und die Vergangenheit zeigt, dass die nach solchen Naturkatastrophen initiierten staatlichen Ausgabenprogramme die Wirtschaft sogar überdurchschnittlich stark beflügeln. Auf Seiten der Industrieländer gehören zudem sowohl Japan als auch die Eurozone zu den positiven Überraschungen in diesem Jahr. Die japanische Wirtschaft wird 2017 eine reale Wachstumsrate von 1,6 Prozent erreichen, die Eurozone sogar eine von 2,0 Prozent. Erfreulich ist, dass erstmals seit dem Jahr 2007 alle Länder in der Eurozone eine positive Wachstumsrate aufweisen werden.

Quelle: M. M. Warburg & Co.

China: Positiver als erwartet – Andere Schwellenländer übertreffen Vorjahresniveau

Positiver als erwartet hat sich in diesem Jahr auch die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, China, entwickelt (Anteil US-Dollar-BIP: 15 Prozent, Anteil Kaufkraftparitäten- BIP: 18 Prozent). Obwohl viele Volkswirte und Anleger zu Jahresbeginn befürchteten, dass der chinesischen Wirtschaft aufgrund einer zunehmenden Verschuldung und/oder eines überhitzten Immobilienmarktes schon bald die Luft ausgehen könnte, wächst die Wirtschaft 2017 erneut stärker als es zu Jahresbeginn prognostiziert worden ist. Die Notenbank bremst die Aktivitäten am Immobilienmarkt zwar ab, doch verläuft dieser Prozess sehr geordnet. Dazu passt auch, dass die chinesische Währung seit Jahresbeginn um mehr als fünf Prozent gegenüber dem US-Dollar aufgewertet hat und die Währungsreserven zuletzt wieder angestiegen sind. Doch nicht nur in China, auch in den anderen großen Schwellenländern Indien, Brasilien und Russland läuft die Wirtschaft gut bzw. in den Fällen Brasilien und Russland auch deutlich besser als in den Vorjahren.




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