Zwei Stimmen zur Zinserhöhung der Fed

Lesen Sie hier zwei Stimmen, die die Fed-Entscheidung kommentieren: Kevin Flanagan, Senior Fixed Income Strategist bei WisdomTree, und Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management, nehmen die Zinserhöhung genauer unter die Lupe:

Kevin Flanagan, Senior Fixed Income Strategist bei WisdomTree:

„Das Federal Open Market Committee (FOMC) hat in seiner September-Sitzung seinen mit Spannung erwarteten Zinsschritt umgesetzt. Damit liegt das obere Ende des Zielbandes für Fonds der Federal Reserve (Fed) nun bei 2,25%. Nachdem die US-Politik im Dezember 2015 einen eher langsamen Start in diesen Straffungszyklus hatte, hat sie wieder an Dynamik gewonnen, und bis zum dritten Quartal 2018 hat die Fed die Zinsen bisher sechsmal angehoben und ist seit Anfang 2017 in die Endphase des Bilanznormalisierungsprozesses eingetreten.

Wo könnte die Fed unserer Meinung nach in den letzten drei Monaten dieses Jahres und bis 2019 hingehen? Sofern die Daten dies zulassen, scheint es, als ob für dieses Jahr eine weitere Zinserhöhung auf dem Tisch liegt. Angesichts des Ratenerhöhungsmusters des FOMC im aktuellen Zyklus scheinen die Chancen gut zu stehen, dass auf der nächsten Sitzung am 7. und 8. November (direkt nach den Halbzeitwahlen in den USA) keine Bewegung eintritt, wobei das Treffen am 18. und 19. Dezember die wahrscheinlichere Wahl ist. Zweifellos wird der Ausblick der Fed für 2019 sorgfältig auf mögliche negative Auswirkungen der eingeführten höheren Zölle geprüft. Zum Zeitpunkt dieses Schreibens würde das Umfeld in die Richtung weiterer Straffungsmaßnahmen im nächsten Jahr weisen, die einzige Frage scheint an dieser Stelle zu sein, ob die eingespeisten Mittel dreimal oder weniger oft erhöht werden.

Vor diesem Hintergrund werden Fixed-Income-Investoren voraussichtlich weiterhin nach Lösungen zur Zinssicherung suchen. Ein Ansatz, den Investoren tendenziell verfolgen, sind inflationsgeschützte Wertpapiere des US-Finanzministeriums (U.S. Treasury, UST) oder TIPS. Diese Wertpapiere beziehen sich auf den Verbraucherpreisindex (CPI), wobei der Kupon fixiert ist, das Kapital aber an Veränderungen des CPI angepasst wird.“

 

Bildquelle: Shutterstock

Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management in Zürich:

„Die Entscheidung der US-Notenbank Fed fiel erwartungsgemäß aus und sorgte für keine starken Ausschläge in den Marktsegmenten. Der Ausblick mit lediglich drei geplanten Zinserhöhungen im kommenden Jahr suggeriert einen restriktiven Kurs und die Einschätzung zur wirtschaftlichen Entwicklung sowie zum Arbeitsmarkt stimmen sogar positiv. Dennoch gilt für Anleihen-Investoren zu diesem Zeitpunkt des fortgeschrittenen Konjunktur- und Kreditzyklus Vorsicht.

Bereits seit einigen Monaten beobachten wir, dass die Anleihenmärkte einlaufende aktuelle Wirtschaftsdaten anders interpretieren als zuvor. Der Wind hat sich gedreht und der Markt quittiert Meldungen zu Konjunktur- oder Inflationszahlen mit unmittelbar steigenden Renditen. Dazu kommt, dass in den USA aufgrund der Reduktion der Notenbankbilanz und der zunehmenden Staatsverschuldung seit Anfang 2018 monatlich rund 50 Milliarden US-Dollar Staatsanleihen mehr am Markt angeboten werden. Daraus resultiert nicht nur der permanente Entzug von Liquidität, sondern auch eine entsprechend verärgerte Marktreaktion mit steigenden Zinsen.

Das massiv höhere Angebot an US-Staatsanleihen drückt die langfristigen Zinsen nach oben. Der Trend ist moderat, dürfte sich aber fortsetzen und auch auf Europa und Japan übergreifen. Der negative Staatsanleihenmarkt steht einem ordentlichen Wirtschaftswachstum und anziehender Inflation gegenüber. Trotz dieser stabilen Basis müssen Anleihen-Investoren jetzt die US-Zinskurve genau im Blick behalten. Noch ist Zinskurve in einem normalen Bereich und die bisherigen Zinsanstiege der Fed waren kein Problem für die Struktur der Zinskurve. Wenn sie aber abflacht, also die langfristigen Zinsen sich den kurzfristigen annähern, dann gilt dies als eindrückliches Warnsignal und könnte auf das Ende des Konjunkturzyklus und eine beginnende Rezession hindeuten. Und dann gilt es sich in den Kredit- und Aktienmärkten neu zu positionieren.“




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