Anleger verdienen mehr mit ‚Momentum‘ als mit Weltindex

Factor Investing mag nach einem kurzlebigen Trend klingen, dabei ist die Idee Jahrzehnte alt. Es geht um die Frage, welche Faktoren die Aktienrendite beeinflussen. Einer davon ist das Momentum. Anleger, die sich daran orientieren, brauchen starke Nerven. Lesen Sie mehr im nächsten Teil unserer Factor-Investing-Reihe.

Momentum bezeichnet die relative Stärke der Preisveränderung einer Aktie im Vergleich in einem bestimmten Zeitraum. Als Kennziffer betrachtet wird meist die Rendite der vergangenen drei, sechs oder zwölf Monate. Die Annahme hinter dem Momentum-Faktor im Rahmen des Factor Investing ist, dass ein steigender Aktienkurs weiter steigt. Begründet wird dies unter anderem mit Herdeneffekten unter Anlegern. So stecken Investoren ihr Geld gerne in allgemein beliebte Aktien, die sich gut entwickeln, und scheuen vor schwächeren oder unbeliebten „Außenseiter“-Aktien zurück. Ein Investment in „Außenseiter“-Aktien erscheint risikoreicher als ein Investment in augenscheinliche Gewinner-Titel.

Volatilität – Durststrecken muss man aushalten können

Auf dieser Grundannahme fußt das Momentum im Rahmen des Factor Investings. Momentum-Anlagen folgen damit naturgemäß dem Trend und funktionieren am besten in Phasen mit klaren Aufwärts- oder Abwärtsmärkten. Das Momentum ist tendenziell ein prozyklischer Faktor, der sich bei guter beziehungsweise sich verbessernder Konjunktur überdurchschnittlich entwickelt.

In Zeiten hoher Volatilität oder an Wendepunkten des Marktes kann es indes zu deutlichen Kurseinbrüchen kommen, in dessen Folgen Anlagen auf der Basis des Momentum-Faktors längere Zeit underperformen. Die wenigsten Investoren halten eine solche Durststrecke durch. Auf lange Sicht zahlt sich das Vertrauen auf den Faktor jedoch aus.

Seit 1994 bietet der Momentum-Ansatz in der Regel eine bessere Performance als eine Anlage in den Weltindex. Einer jährlichen Rendite von rund 11 Prozent für den MSCI World Momentum steht eine Rendite von etwas unter 8 Prozent beim MSCI World gegenüber. In den vergangenen 14 Jahren hat der MSCI World Momentum in zehn Jahren besser abgeschnitten als der Weltindex. Eine Garantie auf höhere Rendite ist das gleichwohl nicht.

Schattendasein bricht schrittweise auf

Trotz guter Performance in den vergangenen Jahren stehen Anlegern den Faktor-Strategien immer noch zurückhaltend gegenüber. Ein Grund dafür ist in der bereits erwähnten höheren Schwankungsanfälligkeit der Anlagen zu sehen. Insbesondere Phasen, in denen Faktor-Strategien über längere Zeit deutliche Abweichungen zum Gesamtmarkt aufweisen, dürften auf viele Investoren abschreckend wirken. So war die Performance des MSCI World Momentum in den Jahren 2009 und 2014 nur annährend halb so hoch wie die des MSCI World. Das Interesse an Factor Investing wächst jedoch.




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