Hilfe aus der Crowd

Bei Crowdinvesting denkt man nicht an Entwicklungshilfe. Doch auch das ermöglicht die Crowd. Wie die Symbiose aus Crowd- und Social Impact Investing hilft, gleichzeitig die Social Development Goals der UN und die Renditewünsche der Investoren zu erfüllen.

Immer mehr Investoren ist es wichtig, dass ihr Geld sinnstiftend investiert wird. Die Anforderungen an Geldanlagen sind nicht mehr rein finanzieller Natur, Social Impact Investing spielt eine wachsende Rolle. Ähnlich wie Spenden basiert es auf dem Prinzip, eine soziale, ökologische und ökonomische Wirkung zu erzielen. Der maßgebliche Unterschied zu einer Spende besteht darin, dass das Geld nicht „verschenkt“, sondern vielmehr eine Rendite daraus erwartet und es daher auch als Geldanlage betrachtet wird.

Zur Beurteilung von Investments mit sozialem Charakter werden häufig die Sustainable Development Goals (SDGs) der UN herangezogen, welche die globalen Ziele des Projektes oder der vorliegenden Organisation verdeutlichen beziehungsweise welche der SDGs man mit einem Investment konkret unterstützt. So unterschiedlich die Möglichkeiten der Spenden sind, haben sie dennoch alle eines gemeinsam: Man kann in der Regel nicht detailliert nachverfolgen, wofür das Geld, das man gespendet hat, genau verwendet wurde. Einen neuen Ansatz verfolgt hier das Crowdinvesting, auch bekannt als Crowdfunding.

So funktioniert die Symbiose aus Crowdinvesting und Social Impact Investing

Crowdinvesting ist eine Finanzierungsform, die für Projekte, Unternehmen oder Produkte verwendet wird. Sie zeichnet sich besonders dadurch aus, dass viele einzelne Personen einen Beitrag leisten und so den Gesamtbetrag gemeinsam erreichen, um das Projekt anschließend realisieren zu können. Crowdinvesting hebt sich mit Finanzierungsvolumen von bis zu 2,5 Millionen Euro von Mikrofinanzierungen ab, bei denen deutlich kleinere Finanzierungssummen, zwischen 100 und 25.000 Euro, eingesammelt werden.

Es gibt unterschiedliche Schwerpunkte von Crowdinvesting-Plattformen, die wohl bekanntesten Formen sind Start-up- und Immobilien-Finanzierungen oder aber Plattformen für Social Impact Investments. Der maßgebliche Unterschied zwischen Crowdinvesting und anderen Social Impact Investments liegt darin, dass man sich beim Crowdinvesting Projekte gezielt aussuchen kann, in die man investieren möchte.

Beispielsweise die Finanzierung von Solar-Home-Systemen, die Familien in Uganda eine dezentrale und nachhaltige Stromversorgung ermöglicht, oder aber eine solare Wasserentsalzungsanlage, die in Kenia Menschen einen kostengünstigen Zugang zu Trinkwasser verschafft. Die Projektinhaber erhalten über das Crowdinvesting einen Kredit, welcher mit einer vereinbarten festverzinsten Rendite an die Investoren, meist jährlich, zurückbezahlt wird. Als Investor begegnet man so Menschen in Entwicklungsländern auf Augenhöhe, weiß genau, in welches Projekt das Kapital fließt, wird regelmäßig über die Umsetzung informiert und schafft somit Hilfe zur Selbsthilfe, auch Entwicklungshilfe 2.0 genannt. Eine Crowdinvesting-Plattform, die bereits seit mehreren Jahren weltweit Projekte mit sozialem Nutzen betreibt, ist Bettervest. In Nigeria ist eine Publick-Private-Partnerhip mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) entstanden.

Solaranlagen für Indien

Durch das Bündeln verschiedener Kräfte können Synergien geschaffen und wirkungsvolle Entwicklungszusammenarbeit vor Ort geleistet werden. Schwellen- und Entwicklungsländer können so eine Entwicklung auf Basis fossiler Energieträger überspringen, indem sie direkt auf erneuerbare Energien umsteigen. Ein solches Projekt wurde durch den Wettbewerb „Solar for All“ von der Canopus-Stiftung und dem Fraunhofer Institut ISE initiiert und wird nun auf der Website von Bettervest finanziert. Es handelt sich dabei um die Finanzierung von 24 Solar-Microgrids zur Elektrifizierung ländlicher Regionen in Nord-Indien.

In Indien leben 1,3 Milliarden Menschen, etwa zwei Drittel davon auf dem Land. Etwa jeder vierte Landbewohner hat keinen Zugang zu Strom. Durch das Projekt werden 24 Microgrids finanziert, die mit Solaranlagen Strom erzeugen, wobei ein Microgrid 40 Haushalte mit Energie versorgen kann. Sie befinden sich in dem Bundesstaat Uttar Pradesh, hier leben knapp 200 Millionen Einwohner, die Energiearmut ist besonders groß. Dank des Projekts können die Bewohner die Abendstunden nutzen und viele Kinder erstmals bei Dunkelheit lesen und lernen. Darüber hinaus spielt der Wissenstransfer eine große Rolle, der hier durch die Anwendung der Technologie vermittelt wird. Außerdem werden durch die Umsetzung des Projektes jährlich knapp 4.500 Tonnen CO2 eingespart.

Vorteile des Crowdinvestings

Crowdinvesting-Plattformen dürfen aufgrund von Gesetzesänderungen künftig auch Wertpapiere vermitteln. Durch die Entwicklung der Branche hin zu Wertpapieren wird eine Investition für Family Offices, Stiftungen und andere (semi-)professionelle Anleger noch interessanter, denn Wertpapiere lassen sich flexibler an die Finanzierungsbedürfnisse anpassen, sind besicherbar und ermöglichen kosteneffizient prospektfreie Emissionen bis zu acht Millionen Euro.

Insbesondere bei Projekten im einstelligen Millionenbereich gibt es eine Finanzierungslücke. Eine schlanke, digitale Abwicklung und die neuen Ansätze einer digitalen Plattform können sie schließen. Die Kombination von kleinteiligen Retail-Investments, die die starke Digitalisierung beim Crowdinvesting ermöglicht, mit den größeren Tickets von institutionellen Anlegern verbindet das Beste aus beiden Welten; so erreichen Projekte eine Vollplatzierung, denen von Banken und anderen Investoren bislang geringe Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Das wiederum ist erforderlich, um die Social Development Goals zu erreichen, denn dafür sind nicht nur Großprojekte von staatlichen Stellen, Weltbanken und globalen Finanzakteuern notwendig, sondern künftig besonders kleinteilige und dezentrale Lösungen.




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