Auf in die neue Gründerzeit!

Junge Wachstumsunternehmen sind ein wichtiger Faktor für das Wirtschaftsleben eines Landes. Wachsen können sie aber nur, wenn Investoren auf sie vertrauen. Eine Standortbestimmung!

Mit dem Begriff „Start-up“ hat sich zum Leidwesen einiger Sprachbewahrer einmal mehr ein Anglizismus erfolgreich seinen Platz im Duden gesichert. Unter „Start-up-Unternehmen“ wird laut dem amtlichen Standardwerk der deutschen Rechtschreibung „ein neugegründetes Wirtschaftsunternehmen“ verstanden. „Hätte es der Begriff Existenzgründung nicht auch getan?“, mag sich der ein oder andere fragen. Es bleiben Zweifel, denn kaum ein anderes Wort aus der englischen Sprache dürfte in der hiesigen Wirtschaftswelt – und darüber hinaus – für so mannigfaltige Assoziationen sorgen: Da sind die Klischees vom hippen Gründer im Berliner Szeneviertel, der Charme neuer Unternehmenskulturen (inklusive Müslischalen und Tischkicker) und nicht zuletzt die übermäßige Verwendung weiterer unzähliger Anglizismen, der sogenannten „Buzzwords“. Doch hinter dem Begriff steht mehr als romantische Verklärung und Imagination.

Wie begründet sich also die semantische Daseinsberechtigung im deutschen Sprachraum? Wo grenzt sich ein Start-up begrifflich von einer herkömmlichen Existenzgründung ab? Möglicherweise liegt die Antwort in der Summe der Details.

Während mit Existenzgründung auch der neue Kebab-Shop an der Straßenecke gemeint sein kann, lässt sich, aller Höhen anatolischer Gaumenfreunden zum Trotz, die Imbissbude schwerlich mit Start-up beschreiben. Zunächst scheint ein Merkmal für ein Start-up konstitutiv: Es sollte an einer innovativen Geschäftsidee anknüpfen. Dazu reicht in aller Regel eine erweiterte Soßenauswahl oder Beilagenkomposition nicht aus.

Politik, Wirtschaft, Verbände und Wissenschaft scheinen seit Längerem um begrifflichen Klärungsbedarf bemüht. Aus gutem Grund, denn Start-ups sind längst der Treibstoff für die Volkswirtschaften der Gegenwart geworden, zumal die rasanten Zeiten der Digitalisierung neue Geschäftsmodelle erfordern.

Start-ups sind Job-Motor

Der jährlich erscheinende „Deutsche Start-up Monitor“ (DMS), herausgegeben durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und den Bundesverband Deutscher Start-ups (BDVS), bildet seit 2013 das Gründungsgeschehen in Deutschland ab. Die wesentlichen Auswahlkriterien: Die Unternehmen müssen jünger als zehn Jahre sein, auf hoch innovative Technologien bzw. Geschäftsmodelle setzen und ein signifikantes Mitarbeiter- und Umsatzwachstum anstreben. Die Studie unterscheidet eingangs zwischen Start-ups und „allgemeinen Unternehmensgründungen“, um innerhalb des gesamten Gründungsgeschehens differenzieren zu können. Die Ergebnisse bringen Licht in die strukturellen Unterschiede: Der Anteil an regionalen sowie überregionalen Produktneuheiten liegt bei Start-ups bei etwa 84 Prozent. Andere Gründungen, die demnach nicht in die Kategorie Start-up fallen, liegen lediglich bei einem Anteil von 14 Prozent an (über-)regionalen Marktneuheiten. Ein weiteres Merkmal ist, dass Start-ups zu 73 Prozent von Teams gegründet werden, während sonstige Gründungen zu 80 Prozent von Sologründern erfolgen. Daran anknüpfend wird auch die gesellschaftliche Bedeutung von jungen Wachstumsunternehmen deutlich, so schaffen Start-ups durchschnittlich zehn neue Arbeitsplätze, ohne das Gründerteam einzuberechnen. Bei Sologründungen liegt der Wert bei nur 0,4.




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