Dass alle großen deutschen Hersteller Fortschritte bei der Reduzierung der CO2-Emissionen im Durchschnitt ihrer Flotte mit konventionellem Motor vorweisen können, lässt sich nicht abstreiten: Seit 2014 konnten die Emissionen bei BMW von 131,7 auf 124 Gramm pro Kilometer, bei Daimler von 131,5 auf 123 Gramm pro Kilometer und beim Volkswagen-Konzern von 125,8 auf 120 Gramm pro Kilometer gesenkt werden. Aufgrund der starken Nachfrage nach kraftstoffintensiven SUVs ist dieser positive Trend jedoch zuletzt deutlich schwächer verlaufen. Im Fall von Daimler stagnierte der Flottenausstoß in 2016 gegenüber dem Vorjahr sogar. Zudem sind die Verbraucher trotz staatlicher Förderprämie für Elektroautos scheinbar noch nicht voll überzeugt.

Alles nur Lippenbekenntnisse?

In Sachen Elektromobilität erschienen die Bemühungen der europäischen Autohersteller in der Vergangenheit aber eher wie Lippenbekenntnisse. Wenn es darum geht, Abgasemissionen zu reduzieren, wurden zunächst die technischen Errungenschaften im Bereich der Verbrennungsmotoren positiv ins Feld geführt. Mit der aktuellen Gemengelage rund um den Dieselskandal und bei gleichzeitig zunehmendem Druck durch innovative Wettbewerber in Asien und den Vereinigten Staaten wird das Thema nunmehr besonders ernst genommen. Elektrofahrzeuge, egal ob Hybrid oder in Reinform, werden sogar als einziger gangbarer Weg gesehen, um die CO2-Obergrenze von 95 Gramm pro 100 Kilometer bis 2021 zu erreichen. So haben sich Daimler wie auch BMW mit internen Zielsetzungen von 100 Gramm pro Kilometer bis 2021 bereits unter Zugzwang gebracht. Noch stärker ist Volkswagen nach vorn geprescht, mit einem Ziel von 20 Prozent alternativer Antriebe bei seinen abgesetzten Fahrzeugen in 2025. Daimler wählte eine eigene Marke „Concept EQ“ um die Fahrzeuge mit neuartigem Antrieb positionieren zu können. Einen vergleichbaren Weg ist bereits BMW mit seinen Modellen I3 und I8 gegangen. Das Unternehmen entschied sich jedoch in Anbetracht der Dringlichkeit dazu, auch die Massenmodelle in Zukunft als Strom-Variante anbieten zu wollen. Volkswagen beschreibt den Wandel innerhalb der Mobilität im Zuge seiner „Together-Strategie 2025“ sogar als Chance für den Konzern. Somit sollen bei Volkswagen 30 neue E-Fahrzeugmodelle entwickelt werden.

Aktuell lässt sich noch nicht sagen, wer den Markt für Elektromobilität letztendlich anführen wird. Aktive Anleger können aber bereits jetzt von den bevorstehenden Veränderungen im Sektor profitieren – sofern sie die Weichen dafür richtig stellen. So haben beispielsweise Unternehmen in der Zulieferkette mit einem zu starken Fokus auf die Dieseltechnologie zuletzt gelitten. Dieser Trend dürfte sich tendenziell noch verstärken. Profitieren dürften dagegen Zulieferunternehmen, die durch einen steigenden Marktanteil von Elektroautoherstellern neue Umsatzpotenziale hinzugewinnen. Zu solchen Profiteuren zählen zum Beispiel auch europäische Unternehmen wie Valeo, Delphi oder Aumann. Zwar verfolgen die Hersteller individuelle Ansätze, um die Produktion von Elektrofahrzeugen wettbewerbsfähig zu gestalten, jedoch zeichnen sich alle durch erhöhte Investitionen in die neue Technologie aus. Hieraus resultierende Gewinnbeiträge sind aber nicht kurzfristig zu erwarten. Von daher ist die schwache Entwicklung der Aktienkurse der Automobilgrößen wie Daimler mit einem Minus von sieben Prozent und BMW mit Kursverlusten von sechs Prozent im laufenden Kalenderjahr nachvollziehbar. Relativ klar scheint, dass die Entwicklung eines wettbewerbsfähigen Batterieaggregats einen wesentlichen Schlüssel darstellt, um die Position des deutschen Automobilsektors auch in Zukunft sicherzustellen. Daimler hat hier mit einer zweiten Batteriefabrik in Kamenz bereits den Grundstein gelegt. Diesem Vorbild dürften weitere Unternehmen folgen.

Wenn Europa nicht zusehen möchte, wie chinesische Wettbewerber einen weiteren Markt komplett besetzen oder Tesla zum Marktführer wird, ist Eile geboten. Die Politik in der EU sollte mit dem notwendigen Aufbau der Infrastruktur und weiterer finanzieller Unterstützung bei dem Wechsel von Diesel auf alternative Antriebe den Konsumenten und Herstellern zur Seite stehen. Nicht nur um die technologisch führende Stellung im Sektor zu sichern, sondern insbesondere zum Wohle der Umwelt und Menschen. //




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