Islamic Banking als Alternative

Das islamische Bankwesen ist seit 2015 nun auch in Deutschland angekommen und verfolgt auch hierzulande ethische Grundsätze nach religiösen Geboten. Ein Beitrag von Ahmet Kudsi Arslan, Vorstandschef der KT Bank in Deutschland, und Ferdi Ilkhan, Experte für Regulatory Reporting der KT Bank.

Für Kunden in über siebzig Ländern bieten rund fünfhundert islamische Banken und Finanzdienstleister ihre Dienste an. Dabei wird das weltweite Volumen islamgerecht verwalteter Assets auf etwa zwei Billionen US-Dollar geschätzt. Die langfristig jahresdurchschnittlichen Wachstumsraten des Islamic Bankings in Höhe von über 15 Prozent übertreffen die Vergleichswerte im konventionellen Bankgeschäft deutlich. Weiteres Wachstum auf internationaler Ebene wird prognostiziert. Global liegen die Schwerpunkte des Islamic Bankings in Malaysia und Bahrain. In Europa war das islamische Bankwesen bis 2015 ausschließlich in London vertreten. Seit im Juli 2015 dann die erste islamische Bank der Eurozone in Deutschland eröffnete, ist Islamic Banking in der westlichen Finanzwelt in aller Munde. Islamic Banking wurde mittlerweile von den Finanzministern der G-20-Staaten als progressive Alternative für westliche Volkswirtschaften erkannt und ist im Begriff, verstärkt in die globale Finanzierungsstruktur integriert zu werden.

Das Potenzial für Islamic Banking in Deutschland ist allein durch die mehr als 4,8 Millionen Muslime, die hierzulande leben, sehr groß. Es gibt seit Jahren Islamic Windows konventioneller Banken, aber in der Eurozone gab es bis 2015 keine islamkonforme Vollbank und keine Islamic Banking Produkte für Privatkunden.

Islamic Banking: religiös-ethischer Wertekanon des Islam

Islamic Banking ist die Führung von Bank- und Finanzgeschäften, die im Einklang mit den Regeln und dem religiösethischen Wertekanon des Islam und seinen Verpflichtungen zu sozialer Verantwortung stehen. Das bedeutet konkret: verantwortungsbewusstes Handeln, größtmögliche Transparenz und kein verzinslicher Geldverleih. Die ethischen Grundsätze des islamischen Glaubens stehen über der reinen Gewinnorientierung. So sind hochspekulative Geschäfte genauso tabu wie beispielsweise Investitionen in die Rüstungs-, Alkohol-, Tabak- und Schweinefleisch-Industrie. Im islamischen Wertekanon besteht generell ein Verbot des Konsums und des Handels mit allem Suchtauslösendem. Innerhalb der Fachliteratur zu diesem Themenfeld werden meist der Alkoholkonsum und das Glücksspiel genannt.

Im Islamic Banking ist zudem der Handel mit echten Werten zum Wohl der Allgemeinheit substanziell. Ein Konzept, das dem partnerschaftlichen Ursprungsgedanken des Bankwesens entspricht.

Für die Einhaltung der Regeln und Grundsätze des islamischen Bankwesens sorgt bei islamischen Banken ein Ethikrat, der sich an den international anerkannten AAOIFI Accounting and Auditing Organization for Islamic Financial Institutions Standards orientiert. Die Mitglieder des jeweiligen Ethikrats sind erfahrene Islamgelehrte.




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