Katastrophen als Geschäft

Investitionen in Insurance-Linked-Securities und Cat Bonds lohnen sich – wenn der Ernstfall ausbleibt. Sandro Kriesch und Florian Steiger von Twelve Capital über eine ganz eigenwillige Anlageklasse.

Das globale Niedrigzinsumfeld und der damit verbundene Anlagenotstand institutioneller Investoren führt zu einem verstärkten Interesse an alternativen Anlagemöglichkeiten im Fixed-Income-Sektor. Eine Möglichkeit findet sich im Versicherungsbereich und bietet sowohl diversifizierende Risiken als auch attraktive Renditen. Noch vor einigen Jahren dominierte das bilaterale Direktgeschäft den Rückversicherungsmarkt, doch seit der Jahrtausendwende hat sich zudem ein Markt für kapitalmarktbasierte Lösungen etabliert. Dort werden Versicherungsrisiken mithilfe von Insurance-Linked-Securities, kurz ILS, für breitere Investorengruppen zugänglich gemacht. Der Markt lässt sich in zwei Bereiche unterteilen: privat gehandelte Rückversicherungskontrakte, oder Private ILS, und Katastrophenanleihen, sogenannte Cat Bonds. Der Markt für Cat Bonds ist in den vergangenen Jahren gewachsen und hat sich vom Nischenmarkt zur bedeutenden Teilallokation in den Fixed-Income-Portfolios institutioneller Investoren entwickelt. Für Privatpersonen ist der Markt über Ucits-Fonds zugänglich, aber die Komplexität von Anlageklasse und zugrundeliegenden Versicherungsrisiken stellt eine Hürde dar.

Mit einem Emissionsvolumen von mehr als zehn Milliarden US-Dollar stellte das erste Halbjahr 2017 einen Rekord auf. Mit einer Marktgröße von über 27 Milliarden US-Dollar bieten Katastrophenanleihen auch größeren Investoren die Möglichkeit, hohe Volumen anzulegen. Im Vergleich zu klassischen Anleihemärkten ist die Liquidität aber noch limitiert.

ILS sind im Gegensatz zu Unternehmensanleihen so strukturiert, dass dem Investor nur ein geringes Gegenparteirisiko entsteht. Das erreicht man über zwischengeschaltete Zweckgesellschaften, die das gewünschte Versicherungsrisiko verbriefen und das eingezahlte Kapital in Schatzwechsel investieren. Die Versicherungsgesellschaft agiert als Sponsor. Sie erhält nur im vorab definierten Schadensfall Zugriff auf das Kapital und zahlt während der Laufzeit quartalsweise einen Kupon. Durch die Entkopplung von Versicherungs- und Kreditrisiko entsteht eine geringe Korrelation der Sekundärmarktpreise zu anderen Kapitalmarktprodukten. Das ist vor allem aus Perspektive der Asset-Allokation vorteilhaft. Katastrophenanleihen werden meist durch variable Kupons strukturiert, wodurch das Zinsrisiko für den Investor fast vollständig abgesichert wird.

Strategie zur Diversifizierung

Ein ILS-Portfolio eignet sich gut zur Diversifikation mit anderen Anlageklassen. Der ILS-Markt deckt im Wesentlichen Wirbelsturm- und Erdbebenrisiken an der US-Ostküste, in Kalifornien sowie dem mittleren Westen der USA ab. Die geografische Lage der versicherten Risiken korreliert mit den wirtschaftlichen Zentren des Landes. Der private ILS-Markt bietet die Möglichkeit, innerhalb eines Portfolios in diversifizierende Risiken zu investieren und bilaterale Rückversicherungskontrakte zu handeln. Solche Kontrakte können auch das Risiko von Lotteriegewinnen oder Terrorismus abbilden. Diese Risiken sind unabhängig von Naturkatastrophen, dem häufigste Grund für Ausfälle von Anleihen. Sie betreffen das gesamte Nominal oder einen Teil davon. Der Kupon wird dann auf Basis des verminderten Betrags bezahlt. Ein Ansatz ist, Anleihen so zu wählen, dass das Portfolio von seinen unterschiedlichen Senioritäten und Triggern profitiert.




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