MiFID II beendet „Free Lunch“

MiFID II sorgt mancherorts noch für Verunsicherung. Die Veränderungen der Richtlinie wird allerdings fundamentale Auswirkungen auf die Research-Landschaft haben. Welche das sind, erörtert René Hermann, Partner bei Independent Credit View.

Obwohl im Januar 2018 die MiFID II Richtlinie in Kraft tritt, sind sich viele Marktteilnehmer immer noch nicht schlüssig, wie und in welchem Ausmaß sie von den Neuerungen im Bereich Research betroffen sein werden. Dabei verändert sich sowohl für Asset Manager als auch Investment Banken die Research-Landschaft fundamental. Denn der inhärente Interessenskonflikt der Banken und Broker, welche Research in erster Linie als verkaufs- beziehungsweise handelsfördernde Maßnahme betrachten, und den Asset Managern, welche ihre Anlageentscheide darauf abstützen, steht im Zentrum der Bestrebungen der Regulatoren für mehr Transparenz.

Investoren und Asset Manager, welche in der Vergangenheit die Vielfalt der kostenlosen Analysen, Marktberichte und Sektorreports der Banken nutzten, müssen sich ab 1 Januar 2018 neu orientieren. Denn MiFID II beendet den „Free Lunch“. Zuerst stellt sich Asset Managern die Frage, ob sie selbst für Research-Dienstleistungen bezahlen oder die Kosten an die Kunden abwälzen. Da einige prominente Asset Manager bereits medienwirksam erklärten, dass sie die Kosten selbst schultern, dürfte sich dieses Modell etablieren. Auch ist der administrative Aufwand für die Nachverfolgung, Kontrolle, Bewertung und Abrechnung, welcher beim Portfolio Manager anfallen würde, beim Verrechnungsmodell prohibitiv. In einem nächsten Schritt müssen die Asset Manager überlegen, welche Research-Bedürfnisse bestehen und wie diese befriedigt werden können.

Grundsätzlich gibt es vier Varianten: 1) Der Asset Manager bezieht weiter Research bei der Bank und zahlt künftig dafür. 2) Der Asset Manager baut selbst auf eigene Kosten ein Research-Team auf, das auf seine Produkte ausgerichtete Analysen erstellt. 3) Der Asset Manager kauft sich bei Drittanbietern (so genannten Independent Research Providern – IRP) maßgeschneiderte Dienstleistungen ein. 4) Der Asset Manager bedient sich quasi à la carte aller Varianten, um für ein vordefiniertes Budget das beste Preis-Leistungs-Verhältnis zu erhalten. Doch obwohl nur knapp vier Monate Zeit bleiben, befassen sich viele Asset Manager sehr zögerlich damit. Dabei wäre die Sondierung wichtig, da sie aktuell mit sehr unterschiedlichen Preisvorstellungen seitens der Broker konfrontiert werden. Diese liegen zwischen EUR 5.000 bis 150.000 pro Jahr. Für viele Asset Manager sind diese Kosten bis jetzt in keinem Budget enthalten, was dazu führen wird, dass der Research-Bedarf rigoros redimensioniert und entsprechend den Bedürfnissen und verfügbaren Mitteln angepasst werden muss.

Herausforderungen für Asset Manager

Investoren müssen sich aufgrund der Nutzung kostenpflichtiger Informationsquellen einen Budgetposten einrichten, während sich Banken mit qualitativ durchschnittlichen Analysekapazitäten darauf einstellen müssen, dass die Bereitschaft für die Dienstleistungen zu bezahlen seitens Investoren nicht vorhanden ist. Dies wird dazu führen, dass die Banken Ihre Research-Kapazitäten abbauen und institutionelle Investoren alternative Quellen erschließen. Unabhängige Anbieter (IRP), welche qualitativ hochwertige Analysen, konfliktfrei, kosteneffizient und mit der erforderlichen Kontinuität erbringen können, dürften das Vakuum zu füllen versuchen. Die Herausforderung für Asset Manager in Zukunft unter MiFID II wird die Evaluation der Anbieter und die langfristige Bindung eines Anbieters sein, damit nicht die Kosten für die Dienstleistung, sondern die Analysekapazität und deren Kontinuität als Mehrwert im Anlageprozess wahrgenommen wird.




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