„Schöpferische Zerstörung“ in der Technologie

2018 werden die Unternehmensgewinne voraussichtlich um etwa zehn Prozent steigen, doch die Bewertungen sind nicht günstig. In einem Aspekt unterscheidet sich die jüngste Hausse deutlich von den vorherigen: Genossen hat sie niemand. Trotzdem bieten sich umsichtigen Investoren profitable Anlagemöglichkeiten.

Die weltweite Finanzkrise kam einem massiven Systemschock gleich. Mittlerweile haben sich die Gewinne jedoch kräftig erholt und steigen angesichts der offenbar robusten Weltkonjunktur weiter. Insbesondere Aktien haben sich überdurchschnittlich gut entwickelt – der Aktienmarkt erlebte 2017 sein achtes Haussejahr in Folge. Wir sind nach wie vor überzeugt, dass Aktienmärkte noch Potenzial bieten, es scheint allerdings klar, dass Alpha künftig deutlich wichtiger wird. Die Marktkorrektur im Februar dieses Jahres deutet darauf hin, dass die Volatilität steigen wird.

Alles dreht sich um Technologie

In Anbetracht dessen ist es vermutlich interessanter, die Märkte zu beobachten. Vor allem Bottom-up-Anleger sind in der Lage, Trends frühzeitig zu erkennen. Eines der Hauptthemen der letzten Jahre ist das Tempo des technologischen Fortschritts, die Schnelligkeit, mit der Unternehmen und Privatpersonen Technologien zu nutzen beginnen, und welchen Einfluss dies auf Unternehmen hat. Technologie ist wichtig, weil sie Unternehmen verändert. Wer in der Lage ist, Innovationen hervorzubringen, kann sich heute einen enormen Wettbewerbsvorsprung verschaffen. Anwender des 5-Kräfte-Modells von Porter wissen, welchen Einfluss Größenvorteile, Fachwissen, der Schutz von Technologien sowie Markteintrittsbarrieren haben. Der Technologiebereich kann mit all diesen Faktoren aufwarten. In früheren Zyklen hätte „Technologie“ bedeutet, in ein Hardware-Unternehmen zu investieren, dem es nur kurzfristig gelungen wäre, von einem Wettbewerbsvorsprung zu profitieren. Heute können Unternehmen wie Google auf absehbare Zeit den Markt beherrschen. Dies ist ein nachhaltiger Wettbewerbsvorteil, der hohe Renditen auf das investierte Kapital verspricht.

Darüber hinaus sehen wir innerhalb des Technologiebereichs verschiedene Entwicklungen, die das Renditepotenzial steigern. Forschung und Entwicklung können Wettbewerbsvorteile sein. Ein Großteil der für die nächsten fünf Jahre veranschlagten Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen fließt in den Technologiesektor. Häufig wird die Meinung vertreten, Technologiewerte hätten so stark zugelegt, dass sie inzwischen überbewertet sind. Doch Investoren sollten mit einem schnelleren und unverhofften Wachstum des Sektors rechnen, das vom Markt noch nicht eingepreisten wurde.

Daher ist der Technologiesektor bei Columbia Threadneedle immer noch am stärksten übergewichtet, wenn auch in geringerem Maße als früher. Die Aktien sind nicht mehr so günstig zu haben. Andere Sektoren wie der Finanzbereich bieten ebenfalls überzeugende Werte, da sich der Bankensektor wohl noch nicht in vollem Umfang von der weltweiten Finanzkrise erholt hat. Dennoch wäre es unklug, Technologiewerte zu ignorieren.

Nachhaltigkeit

Im Technologiebereich geht es auch um Nachhaltigkeit. Nehmen wir Alphabet (Google) als Beispiel. Das Unternehmen hat seinen Umsatz um insgesamt 31 Prozent gesteigert. Sein Erfolg hängt davon ab, ob die Nutzer auch weiterhin hauptsächlich Google als Suchmaschine verwenden. Werden sie das tun? Es ist zumindest sehr wahrscheinlich, denn das Unternehmen gibt bis zu 14 Milliarden US-Dollar pro Jahr für Forschung und Entwicklung aus, während Yahoo nur einen Bruchteil dieser Summe aufwendet. Value-Anleger kaufen vielleicht Yahoo, aber Realisten dürften zu Google greifen.

Bei Anlagen im Technologiebereich müssen allerdings auch die Bewertungen berücksichtigt werden. Laut Prognosen für 2019 wird sich der von Google erwirtschaftete freie Cashflow auf fünf Prozent seiner Marktkapitalisierung, die bei 770 Milliarden US-Dollar liegt, belaufen. Es ergibt sich also eine Rendite von fünf Prozenz auf den für 2019 prognostizierten freien Cashflow, der jährlich um mehr als 20 Prozent wächst.

Was die Werbung betrifft, erzielt das private britische TV-Netzwerk ITV jedes Jahr 45 US-Dollar an Werbeeinnahmen für jeden Mann, jede Frau und jedes Kind in Großbritannien. Facebook erwirtschaftet, wenn man ausschließlich Europa betrachtet, 26 US-Dollar pro Nutzer. Um auf das Niveau von ITV zu kommen, muss das Social-Media-Unternehmen seine Einnahmen noch um 75 Prozent steigern.

Amazon ist ein Querdenker. Jede Woche fordert es Unternehmen heraus und setzt sich gegen sie durch. Amazon Web Services (AWS) allein ist ein 20 Milliarden US-Dollar schweres Unternehmen, das jährlich um mehr als 40 Prozent wächst und Gewinnmargen von über 30 Prozent erzielt. Die Cloud ist offenkundig ein Wachstumssektor, denn sie dürfte künftig sowohl von Privatpersonen als auch von Unternehmen immer häufiger genutzt werden. All diese Beispiele lassen darauf schließen, dass Technologie im Kontext des demografischen Wandels einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil ermöglichen kann, der Anlegern zu höheren laufenden Erträgen verhilft.




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