Trumps Gesundheitsreform: Fluch oder Segen für Moats im US-Gesundheitssektor?

Moats-Unternehmen, die durch nachhaltige Wettbewersvorteile bestechen, könnten von der Gesundheitsreform sogar profitieren. Allerdings drohen Zahlungsausfälle für Ärzte und Krankenhäuser. Torsten Hunke, Managing Director von VanEck Europe, über die Folgen der Trump-Initiative für die US-amerikanische Gesundheitsbranche.

Falls der Senat die geplante Gesundheitsreform der US-Regierung abgesegnet, könnten Moats im US-Gesundheitssektor besser aufgestellt sein als ihre Wettbewerber. Moats, das sind Unternehmen mit einem „breiten Graben“, also nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen. Wir sehen durchaus Gefahren für den Sektor. Schätzungen zufolge könnten mehr als 20 Millionen US-Amerikaner in den kommenden zehn Jahren ihre Krankenversicherung verlieren. Für Moat-Investoren sehen wir beim aktuellen Gesetzesentwurf allerdings keinen allzu großen Grund zur Sorge. Und das, obwohl der Gesundheitssektor knapp ein Drittel des Volumens des Morningstar® Wide Moat Focus Index™ ausmacht.

Neuer Gesetzesentwurf sieht keine Sondersteuern vor

Mit dem neuen Gesetzesentwurf könnten einige Sondersteuern für den Pharmasektor gestrichen werden, mit denen bislang Fördermittel für „Obamacare“ finanziert wurden. Gerätehersteller beispielsweise müssen derzeit eine Extrasteuer in Höhe von 2,3 Prozent bezahlen. Das Gleiche gilt für ähnliche Steuern auf Gesundheitsversicherungen und Pharma-Konzerne. All diese Steuern sind im neuen Entwurf nicht mehr enthalten, was für die betroffenen Unternehmen eine starke Entlastung bedeuten und sich auf die Gewinnmargen sowie auf die Aktienkurse auswirken könnte. Dies ist ein positives Signal für den Pharmasektor, insbesondere für Unternehmen mit einer ohnehin schon starken Wettbewerbsposition, wie etwa Allergan oder Eli Lilly and Company, die im Morningstar Wide Moat Focus Index vertreten sind. Mit einem hohen Anteil der Pharmaunternehmen im Index könnte sich das neue Gesundheitssektor zum Performancetreiber für US-Moats entwickeln.

Regulierung von Medikamentenpreisen – nur heiße Luft?

Trumps angekündigte Pläne, die Medizinpreise stärker regulieren zu wollen, finden sich im aktuellen Gesetzesentwurf nicht wieder. Ein entsprechender Tweet hatte die Aktien des US-Pharmasektors im März kurzzeitig ins Wanken gebracht. Im nun diskutierten Gesetzesentwurf wurde dieses Vorhaben aber nicht berücksichtigt. Die Pharmakonzerne werden also mit hoher Wahrscheinlichkeit ihre hohe Preissetzungsmacht beibehalten können. Davon dürften insbesondere die Unternehmen mit hohen Kostenvorteilen profitieren.

Nachgelagerte Branchen – ein breiter Wettbewerbsvorteil schafft Abhilfe

Vor allem für Ärzte und Krankenhäuser könnte sich das Risiko von Zahlungsausfällen erhöhen, wenn eine große Anzahl von Patienten plötzlich ihre Krankenversicherung verlieren und damit ihre Rechnungen nicht mehr begleichen könnten. Eine unmittelbare Gefahr auch für nachgelagerte Unternehmen, etwa für Anbieter spezialisierter IT-Lösungen. Die Cerner Group, die unter anderem Informationssysteme für Krankenhäuser anbietet, kann sich allerdings dank hoher Wechselkosten einer loyalen Kundenbasis sicher sein. Auch, wenn ihre Kunden finanziell angeschlagen sind: Moderne Krankenhäuser sind auf passgenaue IT-Lösungen angewiesen und ein Wechsel zu einem anderen Anbieter wäre mit hohem Aufwand und Kosten verbunden. Das Unternehmen ist aufgrund seines Wettbewerbsvorteils auch im Morningstar Wide Moat Focus Index enthalten.

Sollte die Gesundheitsreform final vom Kongress abgesegnet werden, müssen sich Unternehmen aus dem Gesundheitssystem mit einem starken Wettbewerbsvorteil keine Sorge machen. Die aufgehobenen Sondersteuern könnten vielmehr für eine Outperformance sorgen. Potenzielle negative Implikationen sehen wir für Dienstleister von Krankenhäusern und Ärzten, hier allerdings sind Unternehmen mit hohen Wettbewerbsvorteilen – also breiten Burggräben – grundsätzlich besser aufgestellt als der breite Markt.




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