UN-Nachhaltigkeitsziele als Renditebeschleuniger

2015 verabschiedeten die UN-Mitgliedsstaaten „17 Ziele für nachhaltige Entwicklung“ (Sustainable Development Goals, kurz: SDG) als Teil ihrer Agenda 2030. In diesem Zug wurde für die Länder als Teil einer neuen nachhaltigen Entwicklungsagenda eine Reihe von Zielen zum Beenden der Armut, zur Gewährleistung von internationalem Wohlstand und zum Klimaschutz eingeführt.

2015 verabschiedeten die UN-Mitgliedsstaaten „17 Ziele für nachhaltige Entwicklung“ (Sustainable Development Goals, kurz: SDG) als Teil ihrer Agenda 2030. In diesem Zug wurde für die Länder als Teil einer neuen nachhaltigen Entwicklungsagenda eine Reihe von Zielen zum Beenden der Armut, zur Gewährleistung von internationalem Wohlstand und zum Klimaschutz eingeführt.

Nach dieser Agenda müssen 169 Einzelziele realisiert werden, so dass die UN-Konferenz für Handel und Entwicklung von fünf bis sieben Billionen US-Dollar ausgeht, die in Schlüsselbereiche wie Bildung, Infrastruktur und erneuerbare Energien investiert werden müssen. Das sollte sowohl Anlegern als auch Unternehmen eine große Fülle nachhaltiger Investmentchancen eröffnen. Die SDG könnten sich zu einem zentralen Treiber des künftigen Weltwirtschaftswachstums und langfristiger Renditen entwickeln.

In unseren SDG-Nachhaltigkeitsanalysen haben wir ein breites Spektrum an Branchen und Regionen für Anleger identifiziert, die gute Renditen erwirtschaften und zugleich an der Erreichung der UN-Ziele mitwirken möchten: Zu diesen Kandidaten zählen Metallrecyclingunternehmen, die auf das Ziel „Nachhaltige/r Konsum und Produktion“ hinarbeiten, indem sie die steigende Nutzung endlicher Rohstoffe reduzieren. Die Entwicklungsarbeit von Batterieherstellern im Bereich neue Technologien ist ebenfalls sehr aussichtsreich, da sie maßgeblich zu einer erfolgreichen Verbreitung von elektrischen Fahrzeugen und damit zur Erreichung des 11. Ziels „Nachhaltige Städte und Gemeinden“ beiträgt.

Die Arbeit zahlreicher Branchen wird Einfluss auf mehr als eines der Ziele haben: Versorgungsunternehmen in Indien und auf den Philippinen etwa schaffen Infrastrukturen, um den Stromzugang in den bedürftigsten Regionen zu verbessern. Erst dadurch wird wirtschaftliche Entwicklung überhaupt möglich. Neben der Armutsbekämpfung unterstützen Unternehmen, die erneuerbare Energie erzeugen und energiesparende Produkte anbieten, das 7. Ziel „Bezahlbare und saubere Energie“. Firmen, die sich auf das Sammeln und Aufbereiten von Abwasser in Regionen ohne sanitäre Versorgung, wie z. B. Subsahara-Afrika, konzentrieren, bieten Anlegern die Möglichkeit sich auf das 6. Ziel „Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen“ auszurichten.

Zwar können alle Branchen einen Beitrag leisten, die SDG zu erreichen, einige Bereiche agieren jedoch als Wegbereiter für den Rest. So kann die Kapitalallokation in Infrastrukturprojekte das Wirtschaftswachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen ankurbeln, während ein von Telekommunikationsunternehmen bereitgestellter flächendeckender Internetzugang die soziale Integration verbessert, die Produktivität unterstützt und Innovationen antreibt. Der Einsatz von Informationstechnologie wird für viele Projekte entscheidend sein – angefangen beim Klimaschutz bis hin zur Minderung von Sicherheitsrisiken.

Die SDG können und dürfen nicht isoliert betrachtet und angegangen werden. Denn bahnbrechende globale Neuerungen wie die Digitale Revolution oder die Sharing Economy beeinflussen die einzelnen Zielfortschritte oder beflügeln sie sogar. Ferner spielen auch globale Ereignisse, wie z. B. das Klimaabkommen von Paris, nationale Parlamentswahlen oder Naturkatastrophen eine Rolle, da sie das Bewusstsein für Nachhaltigkeit stärken und damit die Erreichung der SDG beschleunigen.

Eine Frage der Transparenz

Die größte Herausforderung bei einer Ausrichtung auf die SDG liegt für Anleger in der Beurteilung des tatsächlichen Einflusses von Unternehmen auf Umwelt und Gesellschaft. Die Berichterstattung von Nachhaltigkeitsdaten muss drastisch verbessert werden: Ihre Offenlegung ist meist weder konsistent noch ausreichend, obwohl die Veröffentlichung für eine erfolgreiche Integration der SDG in Anlageentscheidungen maßgeblich ist. Ein nächster wichtiger Schritt wäre eine Abkehr von oberflächlichen Absichtserklärungen hin zu Leistungskennzahlen, die für die Überwachung und Messung der Nettowirkung verwendet werden können.

Zu den aktuell besten Praktiken zählen wir die Verquickung der bestehenden Strategie eines Unternehmens mit den SDG sowie die Offenlegung der Ergebnisse in einem Jahresbericht. In einer 2016 vom Corporate Citizenship durchgeführten Umfrage gaben 49 % der Unternehmen an, dass sie die SDG vermutlich in ihr Berichtswesen integrieren werden. 2015 waren es nur 29 %. Die Erreichung der SDG erfordert unternehmerische Veränderungen – und die im Jahresbericht festgehaltene soziale und ökologische Wirkung sollte das reflektieren.

Auf mehr Transparenz bei sozialen und ökologischen Auswirkungen zu drängen, bedeutet aber nicht, die wirtschaftliche Wertschöpfung in den Hintergrund treten zu lassen. Damit eine Anlage in die SDG für Anleger attraktiv ist, müssen die Renditen mit denen anderer Assets gleichziehen – die soziale und ökologische Wirkung sollte nur ein zusätzlicher Vorteil sein. Nur dann wäre die Nachfrage nach dieser Art von Anlagen hoch genug, damit sich die Erfüllung der Ziele bis 2030 zu einer realistische Ambition entwickelt.




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