Vom Einhorn zum Börsenstar: Tech-IPOs 2018

Eoin Donegan, Fondsexperte der GAMAX Management AG, kommentiert fünf spannende Tech-IPOs des kommenden Jahres.

Wachstumsstark und disruptiv: Regelmäßig sind es junge Tech-Unternehmen, die Börsengeschichte schreiben. Facebook, Amazon, Netflix und Google etwa gehörten vor zehn Jahren nicht einmal in die Top-Ten der börsennotierten Unternehmen. Heute jedoch kommen sie gemeinsam auf eine Marktkapitalisierung von rund 1,7 Billionen US-Dollar. Ein frühes Investment hätte sich für viele Anleger dementsprechend gelohnt: Wer beispielsweise vor 20 Jahren 2.000 US-Dollar in Amazon investiert hätte, wäre heute Millionär. Anleger müssen sich aber nicht zu sehr über verpasste Chancen ärgern: Auch 2018 streben wieder einige vielversprechende Tech-Unternehmen an die Börsen. .

Airbnb: Disruptiver Marktführer

Der Community-Marktplatz hat vor fast 10 Jahren den Trend zur Shared Economy mitbegründet und schreckt mit der Vermittlung von Unterkünften die Hotelbranche in mehr als 191 Ländern auf. Das Unternehmen arbeitet seit 2016 profitabel und hat bisher mehr als 4 Milliarden US-Dollar an Investorengeldern eingesammelt. Die aktuelle Marktbewertung beläuft sich auf rund 31 Milliarden US-Dollar. Auch Privatanleger könnten bald die Chance bekommen, an der Erfolgsgeschichte teilzuhaben: Nach Aussagen von CEO Brain Chesky laufen die Vorbereitungen für einen Börsengang auf Hochtouren.

Größtes Risiko: Dem Geschäftsmodell werden zurzeit Steine in Form von politischen Regulierungen, beispielsweise dem Zweckentfremdungsverbot in Berlin, in den Weg gelegt.

Größte Stärke: Airbnb ist First Mover in einem neuen Marktsegment, das die Spielregeln für die weltweite Hotelbranche verändert. Inzwischen macht die Plattform klassischen Hotels nicht nur Privatkunden, sondern auch Geschäftsreisende streitig und kooperiert dazu seit 2016 mit den drei international führenden Geschäftsreise-Ketten American Express Global Business Travel (GBT), CWT und BCD Travel.

Lufax: Peer-to-Peer-Kredite made in China

Lufax ist eine der führenden internetgestützten Peer-to-Peer-Kreditplattformen (P2P), die chinesische private Geldgeber und Kreditnehmer zusammenbringt und Darlehen zwischen ihnen vermittelt. Das gerade einmal fünf Jahre alte Unternehmen wächst rasant und ist seit dem ersten Halbjahr 2017 profitabel. Das Wachstum wird vor allem von der zurückhaltenden Kreditvergabe der traditionellen Banken an Privatkunden getrieben, denn Geringverdiener oder Selbständige haben dabei meist das Nachsehen und nutzen deshalb verstärkt alternative Kreditmöglichkeiten. Investoren haben das Potenzial dieses Marktes erkannt: Bei der letzten Finanzierungsrunde 2016 sammelte Lufax 1 Milliarde US-Dollar ein. Der Wert des Unternehmens wurde daraufhin auf 18 Milliarden US-Dollar geschätzt. Die nächsten Ziele des Fintechs: Die Expansion ins Ausland und der Börsengang in Hongkong.

Größtes Risiko: Die chinesischen Aufsichtsbehörden verschärfen zurzeit die Regulierung der Branche, um Misswirtschaft und Betrug entgegenzuwirken. Lufax gehört allerdings zur renommierten Ping An Insurance Group, die im Volksmund als „Goldman Sachs Chinas“ bezeichnet wird, und sollte deshalb neue Compliance-Anforderungen korrekt und zügig umsetzen können.

Größte Stärke: Die chinesische P2P-Branche befindet sich aufgrund der neuen Regulierung in einer Konsolidierungsphase. Schätzungen zufolge werden von den rund 4.000 Anbietern circa 200 bis 300 übrigbleiben. Als Ping-An-Tochter mit solidem Geschäftsmodell hat Lufax aber beste Chancen, auch in Zukunft zu den Marktführern zu gehören. Mit der Expansionsstrategie ist zudem der erste Schritt getan, Anteile auch in ausländischen Märkten zu gewinnen. Und das Wachstumspotenzial des weltweiten P2P-Marktes ist enorm: 2025 werden die globalen P2P-Kredite laut Nunatak Group voraussichtlich ein Volumen von knapp 1 Billion US-Dollar erreichen.

Spotify: Kein klassischer IPO-Kandidat

Der schwedische Musik-Streamingdienst wurde 2006 gegründet und verzeichnet laut Fortune Magazin inzwischen über 140 Millionen aktive Nutzer. Der Umsatz stieg in den letzten Jahren kontinuierlich und erreichte zuletzt 3,4 Milliarden US-Dollar. Dies entspricht einem Wachstum von mehr als 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Wehrmutstropfen: Trotz steigender Umsätze verzeichnete Spotify 2016 einen Rekordverlust von 600 Millionen US-Dollar. Grund hierfür sind jedoch massive Investitionen in die Produktentwicklung und die internationale Expansion. Die roten Zahlen haben zudem keine negative Auswirkung auf die Bewertung des Unternehmens: 16 Milliarden US-Dollar soll Spotify wert sein, an der Börse könnte es sogar für noch mehr gehandelt werden. Die Schweden streben allerdings keinen klassischen IPO, sondern eine direkte Registrierung an der weltweit größten Wertpapierbörse, der New York Stock Exchange, an.

Größtes Risiko: Die stark steigenden Kosten für Exklusivkooperationen mit Labels und Künstlern: Rund 80 Prozent der Einnahmen müssen zurzeit an Plattenfirmen und Interpreten abgeführt werden.

Größte Stärke: Spotify ist bis jetzt mit mehr als 60 Millionen zahlenden Nutzern unangefochtener Marktführer in den Industrieländern. Wettbewerber Apple Music kommt dagegen nur auf knapp über 28 Millionen zahlende Abonnenten.

Tencent Music Entertainment: Ehrgeizige Tochter

Mit einem Marktanteil von mehr als 50 Prozent ist die Tencent Music Entertainment Group klarer Spitzenreiter auf dem chinesischen Markt für Musik-Streamingdienste. Das Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft des chinesischen Tech-Giganten Tencent Holdings und ist aus einer Fusion mit der China Music Corp. im Jahr 2016 hervorgegangen. Tencent vertreibt seine Musik hauptsächlich über die Apps QQ Music, Kugou und Kuwo und hat dafür Verträge sowohl mit asiatischen Plattenfirmen als auch mit internationalen Schwergewichten, wie der Universal Music Group, Sony Music und der Warner Music Group, abgeschlossen. Um seine Führungsposition weiter zu festigen und sich als First Mover Wettbewerbsvorteile an den Kapitalmärkten zu sichern, bereitet Tencent Music zurzeit seinen IPO vor. An welchem Börsenplatz dieser stattfinden wird, ist allerdings noch offen.

Größtes Risiko: Schlagkräftige und finanzstarke Wettbewerber wie Netease und Alibaba. Tencent und Spotify denken zurzeit jedoch über einen Anteilstausch von rund 10 Prozent im Falle eines IPOs nach. Diese Überkreuzbeteiligung würde sicherstellen, dass es zumindest zwischen diesen beiden Playern keinen margenzerstörenden Preiskampf gibt.

Größte Stärke: Das Streaming-Segment hat in China großes Wachstumspotenzial. Bereits heute nutzen 600 Millionen Chinesen Streaming-Dienstleistungen und mit Tencent Holdings als Mutterkonzern hat Tencent Music eine sehr gute Marktposition, um seine Anteile weiter auszubauen.

Xiaomi: Fernöstlicher Apple-Konkurrent

Smartphones, Smartwatches und Fitnessarmbänder – Das chinesische Xiaomi ist in der Tech-Branche eine Größe, mit der zu rechnen ist und hat auf seinem Heimatmarkt in puncto Marktanteil inzwischen Apple überholt. Seit 2017 expandiert Xiaomi auch nach Europa. Als erste Stationen wurden Osteuropa und Spanien erschlossen und seit Dezember sind die Produkte auch in Deutschland erhältlich. Auch finanziell wagt Xiaomi den nächsten Schritt: Ein Aktienmarktdebut ist für das kommende Jahr geplant und laut Reuters hat vor kurzem der Auswahlprozess für begleitende Banken begonnen. Der Wert des Unternehmens wurde zuletzt auf 69 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Größtes Risiko: Die (chinesische) Konkurrenz schläft nicht. Die Wettbewerber Oppo und Vivo etwa haben Xiaomi mittlerweile Marktanteile abgejagt. Gute Technik alleine reicht in Zukunft nicht mehr aus, um sich dauerhaft am Markt zu behaupten. Xiaomi wird seine Marge nur schützen können, wenn es zusätzlich eine starke Marke aufbaut.

Größte Stärke: Die Beliebtheit bei den jüngeren Konsumenten. Das Beratungsunternehmen RTG befragte im Jahr 2016 junge Chinesen zu ihren Lieblingsmarken und fand heraus, dass Apple zwar die beliebteste Marke der Generation Y ist, bei der jüngeren Generation Z (geboren nach 1995) belegte jedoch Xiaomi den ersten Platz.

Drum prüfe, wer sich…

Dies ist nur eine Auswahl vielversprechender Unternehmen, die Liste möglicher Börsengänge im nächsten Jahr ist deutlich länger. Anleger sollten also nichts überstürzen. Egal, wie erfolgreich das Geschäftsmodell ist, eine Garantie für einen erfolgreichen IPO gibt es nicht. Man sollte sich vor einem Investment intensiv mit dem jeweiligen Unternehmen auseinandersetzen und sich beispielsweise informieren, wofür der Gewinn aus den Aktienverkäufen verwendet wird. Die Bewertungen von Tech-Unternehmen sind zurzeit hoch, doch wer einen kühlen Kopf bewahrt, hat bei einem frühzeitigen Einstieg die Chance, attraktive Renditen zu erwirtschaften.




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